Montag, 13. Januar 2014

Träume eines Durschnitt-Burkinabés



Dieses Wochenende entschloss ich mich dagegen aus der Hauptstadt zu fliehen und blieb in meinem Viertel um etwas Kraft zu tanken, durch entschleunigte Alltagsbewältigung. Also kein Alkohol, schlafen als hätte man einen Kater, bloß dass man morgens mit gutem Gewissen aufwacht, ausgiebiges Wäschewaschen mit der Hand und Musik im Hintergrund und Essen von frittiertem Zeug, dass mit scharfer Soße gegessen und anderen geteilt wird. 

Ich bin seit einem Vierteljahr hier und stelle mir hier immer wieder eine Frage: wovon träumen die Leute hier? Dabei geht es weniger um freudsche Analysemöglichkeiten als vielmehr ganz konkret darum, was hier das empfundene Lebensziel ist. Aus dem Gefühl raus besonders viel an Verhalten verstehen zu können, wenn es nur gelänge die Motivationen meiner Nachbarn etwas einzufangen, sitze ich also auf der Holzbank vor der kleinen Eckboutique mit dessen Betreiber. Amirou heißt er. Er ist gegen dreißig und ich nehme mir öfters einfach Zeit um mit ihm auf die Straße oder die Mauer gegenüber zu glotzen. Ich bat ihn mir seine Sprache etwas beizubringen im Tausch für etwas das ich ihm beibringen könnte, was es auch sei. Er kann nicht richtig schreiben und lesen, ich vermutete also er würde darum bitten ihn zu gesellschaftlicher Partizipation zu ermächtigen. Das wollte er auch. Also fragte er mich, ob ich ihm nicht helfen könnte Sprüche zu lernen, mit denen er Frauen überzeugen könne ihn zu heiraten. Zugegebenermaßen fand ich Aufreißsprüche im Tausch für eine Sprache einen merkwürdigen Deal. 

Aber vielleicht sollte man weiter ausholen um zu verstehen was dahinter steckt. Ohne Kontext wirkt vieles so schrecklich verrückt, im Wortsinn. Er besitzt nicht viel. Die Boutique mietet er im Monat für 2000 FCFA (Vergleich: 655 FCFA sind 1€), auf schmalen Regalen findet sich vom einzeln zu verkaufenden Teebeutel bis zu Damenbinden allerlei. Es ist das klassische Modell des Minimarktes, so was wie größere Supermärkte gibt es bei uns in der Nähe nicht. Was er verdient, steckt er wieder in neue Ware. Auf seinen zwei bis drei Quadratmetern findet sein Leben statt, er, hat seine Kleidung in einer Ecke, betet mehrmals am Tag auf einer Matte und schläft auf der selben nachts. Wenn die Kunden ausbleiben oder woanders einkaufen weil sein Sortiment nicht Divers genug ist, dann kommt es vor, dass er nichts isst. Es fehlen ihm dann 300FCFA. Auf die Frage, wovon er träumt, macht er eine ausladende Geste hinter sich zu seinem Laden, eine Geste die sich zugegebenermaßen schnell an der Grenze seines Wellblechpalastes erschöpft, und sagt „Ach weißt du, eine volle Boutique, einen Kühlschrank, damit ich Kaltgetränke verkaufen kann und genug Einnahmen um irgendwo ein Zimmer mieten zu können.“ Das ist sein Lebensziel. Ab und zu sehe ich ihn rauchen. Eine Feierabendkippe, obwohl er Muslim ist, „aber was soll man machen, es ist eine meiner wenigen Freuden..ich würde auch nur Cola verkaufen, Alkohol darf ich ja nicht anbieten als Gläubiger“. Er will vermeiden einen Kredit aufzunehmen, „denn man weiß nie, am Ende wollen die Leute doch immer mehr, da kann man nichts machen.“ 

Aber all das ist nicht wichtig, wenn man nicht irgendwie dabei sein kann. Also in der Gesellschaft. Egal welchen Mann mensch fragt, eine Heirat scheint das Ziel der Ziele zu sein. So auch bei Amirou. „Was nützt all das, wenn man keine Kinder hat?“ Aber Frauen sind teuer, sagt er, denn sie wollen gerne hübsch angezogen sein, ein tolles Moto fahren und chic ausgehen. „Wenn ich mit meinem Fahrrad einkaufen fahre, dann lacht man über mich“. Es stimmt, viele Junge Männer träumen vom großen Geld, einfach weil es die einzige Möglichkeit zu sein scheint, Frauen von sich zu überzeugen. In einer Stadt gerammelt voll von jungen Arbeitslosen tut Frau gut daran in einer stark patriarchalischen Gesellschaft zumindest Einen mit Geld abzugreifen, um sorgenfrei leben zu können. „Ich habe eine chérie aber das letzte Mal als ich sie herbeigerufen habe als wir hier mit Freunden saßen, hat sie mich verschmäht..das tat weh“. Ohne Geld schämt man sich im Zweifel des anderen. Wie also Frauen überzeugen? Jedenfalls nicht mit lesen-können, so sein Plan. „Du musst sie irgendwie überreden, dass Geld nicht zählt“ versuche ich etwas dünn. „ Ja aber wie, wenn es doch das Geld ist, das zählt?“ Es ist verzwickt. Wir sitzen stumm da. Mir fällt nicht viel ein. Wir glotzen die Mauer gegenüber an und warten auf Kunden die einen einzelnen Kaugummi kaufen.


Donnerstag, 28. November 2013

Alltäglicher Wahnsinn II

Zweiter Teil, selber Tag

Ich sitze alleine im Büro des direkten Assistenten des Repräsentanten des unfpa – die Aufteilung ist hier konfus. Heute allerdings ändert sich die vor allem für meine hier schon länger anwesenden Kollegen frustrierende Situation, denn bisher müssen sie sich ein Büro teilen und ich als kleiner Praktikant throne im Sessel mit der Klimaanlage im Rücken. Denn gestern stand Chefchen höchstpersönlich vor meinem Schreibtisch und fragt wann ich denn das Büro zu räumen gedenke. „Witzig“, dachte ich nur, denn niemand hatte mir bescheid gesagt,  dass das in irgendeiner art von mir erwartet wird. Kurz darauf lief diejenige Person an meiner offenen Tür vorbei, der mein Raum eigentlich zugedacht war und meinte en passant, dass sie ja schließlich nur warte bis ich den Raum freigebe. „Nicht witzig“ hatte ich gedacht und mich weiter an meinem Projekt zu schaffen gemacht, bei dem es sich um eine objektive („und so“ giggelt der Philosoph in meinem Kopf) Umfrage bezüglich Kommunikationsproblemen bürointerner Verständigung geht. Mit dem säuerlichen Beigeschmack von Ironie kommt mir seitdem zumindest meine Arbeit so richtig doll sinnvoll vor. Heute werde ich dann nach diesem gestrigen Lehrstück versagender Kommunikation umquartiert. Das heißt, dass ich keinen Schlüssel und ein Büro bekomme. Bis zur Pause bin ich Asterix, bloß dass ich nicht Rom erobere, sondern meinen neuen Raum in Ouaga und zwar indem ich durch das unfpa-Irrenhaus tingel und den Passierschein A38 (Schlüssel) suche…genervt und verstört entlasse ich mich in die Pause.

Zur heißesten Phase des Tages haben wir eine Phase der Erholung von knapp zwei Stunden für uns, die einmal den Arbeitstag so lang zieht, dass man immer im Dunkeln nach Hause muss und man nichts mehr vom Tag hat zum anderen den ersten Teil des Tages so lang zieht das ich mit knurrendem Magen vormittags dasitze und schließlich auch noch mich und meine Kollegin genau dann in das gleißende Licht entlässt, wenn die Klimaanlage im Büro so nötig wie sonst überhaupt nichts am Tag wäre. Wir gehen für kleines Geld am Straßenrand Ris-sauce, also Reis mit Soße auf Holzbänken sitzend essen und wiederholen gebetsmühlenartig die tägliche Feststellung: „ Scheiße, es ist heiß“. Mein Smart-casual outfit in Hemd und langer Hose ist Schweißgetränkt. Der Sinnlosigkeit und des Geschmackes willen gehen wir deshalb im Anschluss einen heißen Tee trinken, an einem Ort, wo es zwar etwas mehr kostet in einem kleinen vom Lärm abgeschirmten Paradies zu sitzen, aber insgesamt mit dem günstigen Mittagessen ein fairer Deal für die Geldbörse ist.

Nach nur einer Stunde wieder aufgenommener Arbeit muss ich wieder los. Ich hatte in einer Polizeistation am anderen Ende des Zentrums von Ouaga vor dem Wochenende ein Visa für die Westafrikanische Region beantragt. Bénoit hatte mich zur Frau gebracht die den ersehnten Stempel in den Passport drücken wird und wie jede entnervende Bürokratie hat die Stelle natürlich nur zu sich exact mit Arbeitszeiten von normalen Menschen deckenden Stunden auf. Ich war am Tag vorher schon da. Und am Tag davor. Mein Fehler war nicht die „Extra-Gebühr“ zu zahlen, also das was man hier „petit business“ nennt, ein kleiner Dazuverdienst für Angestellte um ihr ach so schlechters Gehalt aufzubessern, kurz: Bestechung. Zahlt man drauf, dann geht alles schneller und am darauffolgenden Tag hat man was man will. Sie hatte mich am Freitag gesehen und im Kurzschluss mit meiner Hautfarbe angenommen ich will die zügige Nummer, wir hatten alles ausgefüllt, ich nicht verstanden dass ich in einer Bestechungssituation bin, es dämmerte mir erst später was Bénoit auf meine Frage hin gemeint haben muss mit „naja irgendwas zwischen 25.000 und 30.000“ als ich den Preis erfragte. Die Dame hatte am Freitag dann statt den Preis zu sagen nur in die Luft gestarrt und mit dem Finger auf eine auf Papier geschriebene Summe getippt. Meinte zumindest Bénoit als wir dann draußen standen, denn ich selbst war etwas verwirrt und  nichts ahnend ihrem Blick gefolgt und hatte nichts verstehend mit ihr gemeinsam in die Luft geglotzt. Daraufhin hatte sie den Bezahlbeleg wieder weggenommen, damit ich beim nächsten Mal vielleicht den „Ganzen“ Betrag überreiche und mich in das Wochenende entlassen, ohne Reisepass und ohne Beleg das selbiger in irgendeiner Behörde schlummert. Heute war also der Tag der offiziellen Persönlichhkeits-Wiedererlangung gekommen und mir bangt es ein wenig. 

Aufgesetzt gut gelaunt habe ich deshalb den exakten Betrag schon parat in der Hand, denn nichts wäre taktisch unklüger als sich in ein Szenario zu manövrieren von wegen „ ääh.. Madame..Wechselgeld zufällig? Nicht..ist gerade aus.?! öhöm ja okay hm.. schönen Tag noch“, triumphierend überreiche ich also nicht mehr als das offizielle Protokoll verlangt und sprach bewusst übertrieben laut und nähere mich dabei nicht allzu sehr, um gar nicht erst eine komplizenhafte Stimmung aufkommen zu lassen. „MÄÄRßIII“ pöbel ich um ja keinen Zweifel aufkommen zu lassen, dass der Deal damit beendet ist und haste hinaus, stolpere dabei aber noch über ein französisches Pärchen. Es ist das zweite mal das sie hier sind, ihre Pässe sind allerdings noch nicht fertig. Die Pointe: sie haben beim Spiel mit dem Draufzahlen mitgemacht, mit dem Ergebnis das es trotzdem nicht schneller ging - mich aufmachend kann ich mir das Grinsen eines moralisch-integer-Handelnden-und-dafür-nicht-abgestraft-werdenden nicht verkneifen...

Alltäglicher Wahnsinn I



„L’enfer, c’est les autre“ – Die Hölle, das sind die anderen. Ich glaube das hat mal ein schlauer Franzose gesagt, Sartre oder so. Ich möchte hinzufügen: Hölle, das sind die anderen im Alltag. Und vor allem man selber. Ganz im Prinzip von Ulysses werde ich euch deswegen einen exemplarischen Tag etwas ausführlicher darstellen, damit die Art und Weise der  bisherigen Darstellung etwas aufgebrochen wird, die sich stets auf das Exzeptionelle stützt und somit zwangsläufig ein falsches Bild vermitteln muss. Der alltägliche Wahnsinn am Beispiel des Gestrigen tages also…

…beginnt im schummrigen Halbdunkel in meinem Zimmer am Rande meiner Madtraze. Am Rand, weil der Mittelteil so durchgelegen ist, dass man im Zentrum wie auf einem zusammengedrückten Schwamm eigentlich auf dem Beton liegt. Die erste Wahrnehmung ist nicht sehen, sondern fühlen. Ich fühle die Mückenstiche auf der Haut und den Sand im Bett. Putain, wie kommen die Viecher bloß immer unter das Netz und vor allem, dieser Scheiß Sand auf mein Laken? Wie ein Idiot schüttel ich das doch immer aus und achte darauf, dass ich nie was reintrage, rein, in mein Heiligtum der Privatsphäre, in mein Zimmer im Zimmer, denn wenn man schon kein Vorraum oder dergleichen hat, dann ist so ein Rückzugsraum eine feine Sache. Ich zwinge meine Lider auf und wie ein Tropfen im Wüstensand sickern meine Augen in den Tag. Das erste was sie sehen ist den Reifen meines Motos, das ich über Nacht in mein kleines Zimmer bis an meine Schlafstätte schiebe. Es ist noch vor sechs Uhr morgens, weil ich mich schnell fertig machen will um die morgentliche Rushour zu vermeiden. Ich schiebe also das Moto in den noch tuberkulös fahlen Tag und sehe meine Nachbarin ihr Baby waschen und den Boutiqier auf der anderen Seite der Mauer sich warm anziehen, es ist frisch, nur knapp über zwanzig grad. Ich wasche mir die Mischung von Staub und Schweiß vom Leib, an einem Eimer im Hof, den Rest versprenkel ich auf der Erde als solidarisch-morgentliche Staubbekämpfung und pseudo-Regen. Ich ziehe mich an und komme mir wie jeden Morgen lächerlich vor, wie ich mit Hemd und UN-Ausweis an meiner Hose baumelnd zwischen den Häuschen stehe, die man von weitem nicht mal als unterschiedlich von der Erde erkennen würde. Wenn man nur weit genug weg ist, dann verschwimmt hier alles. Rot-beige ist das Grund-Motto der Szene „Burkina“ im Stück „Mein Leben“ von allem was nicht regelmäßig geschrubbt oder gewaschen wird. Am Ende gewinnt der Staub immer.

Ich schiebe das Moto durch das mit einem umgebogenen Metallstück gesicherte Tor, sitze auf und beginne den Kampf mit dem Biest. Ich trete den Anlasser auf einer Skala von sacht bis grob, ich rede dem Moto gut zu, fluche und schimpfe, wenn nichts klappt dann hilft manchmal flehen. Einmal angelassen beginnt das Tauziehen zwischen arbeitsverweigernder Maschine und den Motor würgendem Menschen. Die Elektronik funktioniert nicht, also auch nicht die Anzeige der Gänge, ich muss im Kopf immer mitzählen. Es ist bockig und sobald der Gang nicht wirklich mit der Geschwindigkeit übereinstimmt, was im Verkehr mehr als wahrscheinlich ist, dann wirft es das Handtuch und mich fast ab. Dritter Gang – ich näher mich der Ampel – am Anfang war es schwer sich auf den Verkehr zu konzentrieren, wenn die Höllenmaschine auf der man reitet gemeistert werden will – zweiter Gang – ZZrrritsch, die Kette rutscht um ein paar zacken und ich versuche nicht nach unten zu schauen, der Rest ist wichtiger. Während ich mich frage was auf lange Sich gerechnet besser ist – RUMMS erster Gang – einen Helm zu tragen der mich schützt falls mir etwas passiert, oder ihn wegzulassen, weil er im unübersichtlichen Verkehr dank eingeschränkter Sicht die Wahrscheinlichkeit erhöht dass mir etwas passiert – KRACH Leerlauf – reihe ich mich in das Spektakel der rally-Start Position im Rennen „Ampel“ ein. Ich bin eine Sekunde zu lange in Gedanken, fordere den Motor nicht ständig mit einem kontinuierlichen WRmm WRmm, das Biest langweilt sich und macht dicht, just in dem Moment, wo die Ampel auf Grün springt. Natürlich. Da mir das aber in der Anfangsphase an ungefähr jeder Ampel passiert ist, gehe ich dem Monster Routinemäßig an die Gurgel und zwinge es in den Verkehr. Es will nicht, doch zweimal nachgetreten und es ändert seine Meinung.
Ich rolle endlich in die Einfahrt der UN und stelle in der Garage das Ungetüm zu seinen Freunden, nehme den geliehenen Helm mit, da er beim letzten mal hierlassen auf mysteriöse Weise kaputt ging und niemand verantwortlich war. Abergläubisch streichle ich mein Gefährt und rede ihm kurz gut zu, flüster ein „merci“, immerhin hat es weder mich noch seine Kette abgeworfen. Fast artig möchte man sagen.

Mittwoch, 20. November 2013

Zauber-Fußball



Salut liebe Freunde des internationalen Kickens. Aus gegebenem Anlass der letzten Tage wo es um die Fußball Weltmeisterschafts- Qualifikationen geht, soll hier nun kurz aus dem Land berichtet werden, wo das Nationalteam „les étalons“  heißt und so viel wie „die Hengste“ bedeutet. Burkina war noch nie bei einer WM dabei, entsprechend sind hier alle heiß auf eine Teilnahme derjenigen Spieler, auf deren Brust zwei marzialisch aufbäumende Tiere prangen.

Wenn man über Fußball redet, muss man aufpassen, den die Gemüter erhitzen sich hier sehr schnell, jeder weiß genau wer der Beste ist und wie das nächste Spiel ausgehen wird. Mehr als einmal saß ich an der Ecke mit anderen als sich auf einmal alle hysterisch anschriehen, wild gefuchtelt wurde und ich dachte dass gleich alle aufeinander los gehen - auf meine Frage hin was den eigentlich in Gottes Nahmen (ich nehme meine Rolle als Christ hier ernst) los sei, wurde mir nur knapp erwidert, dass es mal wieder um die Hengste ginge.

Der Qualifikationsgegner ist Algerien. Die Algerier waren schon zweimal dabei und gelten als Favoriten. Das Hinspiel findet in Ouaga statt und ich habe das Glück über meinen Kumpel hier an Karten ranzukommen. Das heißt er hat einen Kumpel, der bei der Polizei in der Sportabteilung arbeitet und für  Freunde Karten zurückhält- Bingo. Wir fahren am Tag des Spiels zu zweit mit dem Moto zum Stadion und merken schnell – die ganze Stadt ist am kochen, alles ist motorisiert und ströhmt in eine Richtung, mit schwenkenden und hinter sich her flatternden Fahnen rasen junge Leute aneinander vorbei um noch einen Abstellplatz für die Motos zu bekommen. Wir kennen Leute die neben dem Station wohnen und stellen alles in deren Garten ab, rennen zum Eingang und schaffen es tatsächlich uns nicht zu verlieren. Ich renne Bénoit hinterher und sehe zu, wie er sich an einer Schlange vorbeidrängelt, zum Frust aller hinter uns. Mir ist es unangenehm und sehe mich plötzlich der Wahl ausgesetzt, entweder mich artig anzustellen und die anderen in der Masse verschwinden zu sehen, oder… tatsächlich war es kaum ein Wahl, ich renne wie besessen hinterher, die Menschenmenge verschluckt immer wieder meine Leute, ich klammer mich an sie fest und lasse mich endlich durch den Eingang ins freie gleiten und stehe in der Sonne. Schnell greifen wir uns die Sitze ab und sind überglücklich, dass wir noch etwas zu trinken gekauft hatten, denn es ist mittags, zwei stunden vor Spielbeginn und wir werden von einer sengenden, unerbittlichen Sonne in der Fankurve gebrutzelt.

Alle sind irgendwie angemalt, gekleidet in rot-grün-gelb und halten Schals in der Hand. Ich werde misstrauisch beäugt, ich habe meinen grünen Schal um den Kopf gewickelt und merke leider zu spät, dass es eher arabisch aussieht. Etwas misstrauisch werde ich beäugt und gefragt welches Team ich denn bitte unterstützen würde. Diplomatisch nehme ich einen Hengst-Schal an und binde ihn mir in rambo-manier um die Stirn. Man ist zufrieden mit meiner Gunstbezeugung. Die Spieler laufen ein und tosender Applaus brandet auf, die Nationalhymne wird gespielt und alle singen stolz mit.

Dann ging das Spiel endlich los, unten laufen menschliche Fahnen  rum und heizen die Stimmung an, ab und zu läuft ein Typ mit übergroßem Hut entlang, hat einen langen Stab in der einen Hand und ein Huhn mit den Farben Burkinas in der anderen. Ich muss lachen, aber jemand neben mir meinte das sei wichtig, er zaubert dass alles gut wird. Ich nehme das nicht so ernst. Bis die zweite Halbzeit kam. 
Auf einmal fingen die Fans Burkinas an laut aufzustöhnen, zu schreien, jemand in der Menge kreischt schrill und auf einmal fliegen Sachen durch die Luft, Flaschen, Getränkepäckchen die vorher noch verteilt wurden. Die Security wirkt überfordert, mangels Zugangsmöglichkeit zu den erhöhten Rängen entern sie regelrecht die Ränge mit Leitern um die Leute zu beruhigen. Was war da los? Ein Tor war gefallen. Das ist an sich nichts Besonderes. Nur hatten sich hinter dem Tor Burkinas algerische Spieler erwärmt, hatten sich manchmal (so dachte ich) weniger motiviert fit gemacht, als interessiert dem Spiel zugeschaut. Doch als das Tor fiel war allen klar: das war WAK. 

Wak, das ist bösartiger Zauber. Die algerischen Spieler verhexten die Hengste. Das war für die Burkina Fans nicht zu ertragen. Verlieren? Ja, aber fair, nicht mit faulen Zaubertricks! Dass die algerischen Spieler da auch nicht wegwollten (es gab sonst keine Grünfläche mehr im Stadion, so meine Interpretation) machte die Sache auch nicht besser. Als der Co-Trainer aufgeregt zu seinen Schützlingen lief, hieß es er würde ihnen die Zauberanweisungen bringen. Auch Bénoit fuchtelte wild mit den Armen und schrie wie besessen, ich lachte und fragte ob er das ernst meinte. Als sich jedoch einige Leute zu mir finster umdrehten und grimmig anschauten, wurde mir klar: die meinen das ernst, das ist hier soziale Realität. Ich versuchte schnell einzulenken und gab kleinlaut zu, dass es zumindest „unüblich..ja nee désolé, wirklich komisch, ja komisch und seltsam sei“ dass das nichts gutes heißen kann dämmerte mir auf eine andere art als meinen Leuten.
Die Étalons gewannen.  Das war wohl auch besser so, sonst wäre das Stadion zum Hexenkessel geworden. Mit gemischten Gefühlen fuhr ich hinten auf dem Moto aufsitzend durch die Dunkelheit. Am Rationalitätsbruch meiner Leute habe ich ganz schön zu knabbern.

Mittwoch, 13. November 2013

Apoka - l'éclipse


Was ist da los in Ouagadougou? Es herrscht Ausnahmestimmung in der Hauptstadt Burkinas. An allen Ecken finden sich Plakate mit wirren Bildern und angsteinflößenden Prophezeiungen wie: „Das haben sie noch nie gesehen“ und direkt daneben: „Sie sollten das auch gar nicht direkt sehen!“. Worum kann es gehen, wenn die Titelseiten der zwei wichtigsten Tageszeitungen praktisch nichts anderes mehr bringen, als alltagstaugliche Erklärungen von astrologischen Phänomenen? Wenn an jeder Ecke Verkäufer mit merkwürdigen Brillen in der Hand stehen und hysterisch versuchen dir klar zu machen, dass es dein Ende sein wird, wenn du dir nicht sofort für 1000 FCFA ein stück Papier mit angebappter schwarzer Folie andrehen lässt?

Wenn viele Menschen gleichzeitig in den Himmel glotzen, dann gibt es zwei Möglichkeiten, worum es sich handelt. Tipp: es ist nicht das psycho-outdoor-experiment zur Überprüfung wie viel Herdentier-Mentalität im modernen Homo Sapiens noch übrig ist. Es geht um die „éclipse“, die Sonnenfinsternis. Sie ist ein Ereignis der besonderen Art, weil sie den Ängstlichen einen Anlass gibt sich zu Hause zu verstecken, den Mutigen sich dem Extremen zu stellen, also hier der Sonne und mir zur Nachdenklichkeit. Im Vorhinein gab es viele Spekulationen und Verschwörungstheorien darüber, was einem versucht wird weiß zu machen – man läuft an sich ankeifenden Marktfrauen vorbei, die sich aufgebracht versuchen gegenseitig von ihrer Theorie zu Überzeugen:
„Diese éclipse gibts gar nicht, wie soll das auch funktionieren, das ist alles nur ein Trick der Regierung um von irgendwas abzulenken“
„Neeeein, das sind die Händler, die haben sich das ausgedacht, die haben diesen Brillen-Schund gefunden und wollen das Zeug loswerden..“ – jemand drittes fällt ins Wort
„Böööses, das ist ein Plan um uns alle blind zu machen, wer guckt denn bitte schon direkt in die Sonne nur weil er Papier auf der Nase hat?“
So oder so herrscht ein allgemeiner Zustand vor, der irgendwas zwischen Ängstlichkeit, Verwirrung, Unterstellung und Unverständnis ist, nur in einem ist man sich einig - Dunkelheit wie man sie nur sonst nachts gewöhnt ist - wird man so schnell nicht mehr tagsüber erleben können.

Und dann endlich ist der Tag gekommen. Oder eher die Nacht.
Morgens versuche ich etwas Brot zu kaufen, zu spät. Die Ängstlichen haben seit letztem Abend und den frühesten Morgenstunden die Läden leer gekauft, horten Brot, bunkern Reserven, man weiß ja nie, wenn die Welt draußen vor der Haustür untergeht, dann braucht man ja was zum bebuttern. Mein Nachbar meinte er würde sich verstecken, er wolle nicht in die Sonne schauen. Auf meine Frage hin, ob er das denn das restliche Jahr über täte, und wenn nicht, warum er glaube jetzt damit anzufangen, meinte er nur: „ man weiß ja nie“. Ich überließ ihn also seinen Schutzvorkehrungen vor sich selbst.
Draußen vor der Tür sitzen die Mutigen. Zehn Leute mit zwei Brillen beobachten dann – ja, tatsächlich, es geht los – wie sich da eine schwarze Kugel langsam vor die Sonne schiebt, eindeutig als mini-Puppsel im Meer vom Schwarz der éclipse Brille, fast sogar ein bischen klar erkennbar. Allerdings weiß ich nicht ob meine Nachbarn es tatsächlich auch sehen, einmal meine ich jemanden die Augen hinter der Brille zukneifen zu sehen…ich gebe die Brille ab und denke mir, dass es irgendwie auch lächerlich war die Brille zu kaufen, spätestens in ein paar Minuten wird es dunkel sein, der Beweis schlecht hin.
Nach ein paar Minuten hält mein Nachbar die Brille in der Hand und fragt mich ob ich sehen will, wie die Sonnenfinsternis abnimmt. „ Bitte was?!!“ frage ich zugegeben etwas verdattert. Es stimmt, es war keine totale Sonnenfinsternis, nur eine Partielle. Ich fühle mich betrogen. Es ist nicht mal dunkel geworden, es hat nicht mal gedämmert, außer das es mir dämmerte, dass bei diesem „Highlight“ – denn das war es schließlich ohne Dunkelheit – wir alle , wie wir so dastehen, mit den lächerlichen Brillchen in der Hand und der Fassungslosigkeit in den Gesichtern, irgendwie hinters Licht geführt wurden.
Jede Wolke hätte an diesem Tag mehr Sonnenfinsternis gemacht. Aber vielleicht ist das gar nicht so schlimm, denn schließlich schienen am Ende alle doch auch ganz unterschiedliche Vorstellungen vom Ablauf einer éclipse zu haben. Als ich am Abend vorher dem Tante-Emma-Laden Besitzer an unserer Ecke noch mal in Erinnerung rufen wollte, wie eine Sonnenfinsternis funktioniert, hatte er mich gefragt, ob wir denn in Deutschland auch einen Mond haben. Ich war etwas sprachlos, hatte aber versucht das zu überspielen und kurzerhand erklärt, dass er bei uns in der Nacht wie eine Sichel von der Seite kommt, nicht wie eine Schale wie hier. Darauf hin hatte er nur gefragt „ und eine Sonne, habt ihr so was auch?“.
Es stimmt, mit einer anderen Vorraussetzung wäre die Sonnenfinsternis vielleicht weniger enttäuschend gewesen. Also heißt es ab sofort an seinen Erwartungen zu arbeiten - und überhaupt, Wolken sind eh viel greifbarer.

Dienstag, 5. November 2013

Tabaski




Tabaski ist nicht der verniedlichende Name für scharfe Soße, sondern das muslimische Opferfest, dass hier groß gefeiert wird. Über die Tatsache hinaus das es mir ein verlängertes Wochenende bescherte war es eine besondere Freude hier zu erleben, wie das Miteinander abläuft. Dazu muss man sagen, dass der Großteil der Gläubigen hier Muslime sind, es also dementsprechend ein Nationalfeiertag ist. Nun ist man hier glücklicherweise tolerant untereinander was die Religionen angeht, mehr als einmal saß ich im Kreis von Leuten wo sich angeregt über theologische Fragen unterhalten wurde, ohne aber die generelle frage aufzuwerfen, ob der andere nicht recht eigentlich den falschen Gott anbeten würde. Wenn man fragt, dann sagen viele, "Diskutieren ja, aber niemand kann mit sagen was ich zu glauben habe!" Als 2012 der Mohammed-schmäh Film durch das Internet kursierte, nahmen auch die christlichen Kirchen Stellung dazu, bekräftigten stark ihre Ablehnung. In Burkina ist die Religiöse Toleranz vorbildlich, aber auch verständlich. Geschwister habe hier nicht selten verschiedene Denominationen, ohne Probleme. Gäbe es religöse Zwiste, dann gingen die Kämpfe quer durch die Familien. Das will hier keiner.

Das einzige was ein Tabu ist, ist Atheismus. Es ist egal was du glaubst, solange du irgendwas glaubst. Gegen andere Religionen oder Glaubensabspaltungen ist man tolerant und unmissionarisch, aber wehe dem, der zugibt, dass er ohne eine irgend geartete Vorstellung des Lebens nach dem Tod über den Erdball robbt. Aus pragmatischen Gründen und Erfahrungen aus Rwanda entschied ich mich nach der ersten Frage kurzerhand dazu zu beteuern, ich sei Protestant, da ich mehr als einmal erlebt hatte wie in der Runde dann ein kollektives Stöhnen aufbrandet, wenn man sagt "Ähh nö, kein Gott für mich". Da jeder einen Gott haben muss, so die Annahme, darf man dich dann auch bestürmen doch ihre Religion anzunehmen. Dann wird es zugegebenermaßen interessant, aber auch stressig.

Christ also. Da man hier aber auch viel von Nachbarschaft und interfamiliärer Verbindung hält und die Religiösen Unterschiede quer durch die Verwandschaft laufen, wird einfach kurzerhand jeder eingeladen, um gemeinsam zu Feiern. Konkret sah das dann so aus, das wir auf den Motos durch die Nachbarschaft jagten und Schnitzeljagt spielten, bloß dass es um Schafe ging. Bénoit, bei dem ich die ersten Nächte Couchsurfer war und mir hier stets hilft mich einzufinden in die Gesellschaft, wusste genau wo die gehäuteten und gegrillten Tiere zum Teilen bereit standen. Wir fuhren also von Nachbar zu Onkel zu Nachbar, bekamen überall etwas vorgesetzt, bedankten uns artig und düsten dann weiter.

Das Konzept von "Einladung" ist hier etwas anders. Eingeladen ist, wer kommt. Und wer kommt, isst. Wer isst, bekommt noch eine Cola oder Bier dazu. Wer aufmerksam der Kausalkette folge, wird sich folgende Frage stellen: Woher weiß man denn eigentlich wie viele kommen? Antwort: man weiß es nicht. Jetzt muss man zusätzlich erwähnen, dass es hier kaum etwas peinlicheres gibt, als nichts mehr zu Essen anbieten zu können, wenn man Gäste hat. Die Gäste wissen das auch. Dementsprechend müssen unglaubliche Mengen an Essen zur Verfügung gestellt werden, weil man einfach nicht weiß, wie viele „Gäste“ auf einmal im Hof stehen, sobald man angekündigt hat zu feiern. Und wenn gefeiert wird, dann greift man schon eher schamlos zu und mampft kräftig drauflos. Auf meine Frage hin, wie man denn Planungssicherheit haben könne, schüttelte Bénoits Bruder nur den Kopf, lachte aufbrandend und sagte " Après la fête, c'est la defaite" - nach der Feier ist es der Ruin... und fügte dann später hinzu "Aber nach dem Ruin heißt es dann: Feiern!"
Ich muss grinsen.

Dienstag, 29. Oktober 2013

Im Land der aufrechten Menschen

Neyibégo ihr Lieben.
Es ist einige Zeit her das dieser Blog dazu benutzt wurde um euch auf dem Laufenden zu halten darüber, was ich gerade so mache und erlebe. Dies soll nun wieder der Fall sein, ich möchte euch gerne wieder die Möglichkeit geben mich zu begleiten und etwas an meinem Leben teilzuhaben . Burkina Faso, Westafrika, keine Küste, Hauptstadt: Ouagadougou (sprich: Uagadugu) kurz: Ouaga. Für ein halbes jahr werde ich hier ein Praktikum bei dem UNFPA, dem United Nations Population Fund im Gebäude der UN absolvieren und versuchen, den Seiltanz hinzubekommen zwischen einerseits Arbeit im Büro mit Klimaanlage im Hemd und Laptop, und andererseits leben und wohnen in einem Viertel was nicht bekannt ist für seine Westlichkeit, sondern wo ich vor allem mit Freunden einfach draußen sitze, rede und Tee trinke. Alles was zwischen Holzbank und Bürostuhl passiert, soll euch zugetragen werden.
Ich wohne in Katria, so heißt das Viertel etwas abgelegen vom Zentrum. Zur Arbeit komme ich morgens mit einem Roller den ich gebraucht gekauft habe. Weniger ich, als mein Kumpel Bénoit, den ich über couchsurfing.org kurzfristig vor meiner Abreise noch kontaktierte hatte und jetzt meinen Nachbar nenne in unserer Hofgemeinschaft. Hier teilen wir die Dusche unter freiem Himmel und und die Toilette. Die Leute mit denen ich Zeit verbringe sind vor allem meine Nachbarn und deren Freunde, das "Freizeitangebot" unter der Woche nehme ich meistens nicht in anspruch, weil es dunkel ist wenn ich nach Hause komme und erschöpft bin. Bénoit holt mich derzeit noch ab, weil ich mir den Verkehr nicht zutraue alleine auf dem Moto. Dafür übe ich dann am Wochenende fleißig fahren und schalten und die Gänge nicht mehr kaputt machen, so wie es mir beim ersten mal passierte als ich mal selbstständig losfahren wollte.

Den Ort den ich mein zu Hause nenne ist ein "entrecoucher", und heißt auf der hier in Ouaga meistgesprochenen sprache Morré übersetzt soviel wie "ich-komme-rein-und-sehe-dich" weil es nur ein einziges Zimmer mit ungefähr acht Quadratmetern ist. Eigentlich ist es das Zimmer von Bénoits Bruder Elwis, ich miete es jetzt unter und bekomme dafür den Schrank, eine Holzbank und die Madratze, welche man sich wie einen großen, nachgebenden Küchenschwamm ohne Füllung wie Spiralen oder ähnliches vorstellen muss. Ich habe am dritten Wochenende hier auf den gesäuberten Steinfußboden dann eine gummiartige Matte verlegt, die hier der abwaschbare Teppichersatz ist und mich beim Verlegen des sogenannten Teppichs über den arg merkwürdigen Schnitt des Zimmers gewundert. Das Fenster geht zur Straße raus und muss wegen des vielen Staubes eigentlich immer zubleiben, mit dem Nachteil, dass mein Zimmer danke des Wellblechdaches recht eigetlich einem Ofen gleicht, der sich den ganzen Tag über aufheizt und mich dann nachts unter dem Moskitonetz backt...mich und die Moskitos unter dem Netz, die es irgendwie immer schaffen mit runterzukriechen und mich dann nachts vor die quälende Wahl stellen mich trotz Hitze zum Schutz zuzudecken und zu zerfließen, oder stechen zu lassen. Meisten Decke ich mich zu bis ich völlig durch bin, wühle mich dann erschöpft frei damit die Moskitos sich auf mich stürzen können. So oder so - sie gewinnen immer.
Direkt vor unseren "reinkommen-seh-dich's" ist ein Kiosk, vor dem wir sitzen und wo ich meine kleinen Bedarfsartikel kaufe, wie Seife und Zahnpasta - seit ich hier bin war ich noch nicht in sowas wie einem Supermarkt und muss gestehen: es ist klasse. Ihr kennt mich, wenn ich mich drauf einstelle, kann ich ziemlich minimalistisch leben und das ist hier der Fall. Das heißt nämlich zum Glück nicht, dass es mir nicht gut geht oder ich alleine bin, ganz im Gegenteil.

Sonntag, 11. Juli 2010

Letzter Eintrag

So ihr Lieben

ich komme gerade aus meinem letzten Tanzania-Urlaub und habe einfach viel zu viel zu sagen, um das alles verarbeiten zu koennen. Ich werde mich deshalb an dieser Stelle von euch vreabschieden und auf weitere Einträge verzichten.

Das heißt aber noch lange nicht, dass ich meine Erfahrungen für mich ehalten möchte, sondern ganz im Gegenteil: ich werde vor meinem hoffentlich bald beginnenden Studium und nach meiner Rückkehr in etwas mehr als zwei Wochen Familie und Freunde überall in Deutschland besuchen kommen, jeden der sich über eine direkte Berichterstattung freute und sich gduldig anhören möchte, was ich alles zu erzählen habe.

Bedanken möchte ich mich bei allen, die so regelmäßig meine Berichte verfolgt haben und mich ermutigt haben weiterzuschreiben, euch teilhaben zu lassen an dem, was ich hier erlebe und lebe.

Vielen Dank!

Euer Matthias

Mittwoch, 9. Juni 2010

Reise Reise: Mombasa

Ciao ihr Lieben

Auch die schönste Zeit muss irgendwann zuende gehen und so genießen wir die reichen Stunden in Mombasa.

Erstmal gönnen wir uns am frühen Vormittag einen weiteren Strand: Ngali Beach. Wunderschön und nur zu erreichen, wenn man durch eine Art Reichenviertel läuft, bei dem man denkt man hat einen Raum-Zeit Sprung hinter sich und befindet sich im mediterranen Südfrankreich. Während wir zwei Straßen weiter angebettelt werden, wird hier der Rasen vor den massiven Zäunen gesprengt, die äquivalent hoch zur Angst ihrer Besitzer sind.

Der Strand selbst ist einmal mehr eine wunderbare Überraschung. Wir laufen den Großteil unserer Zeit im Schatten von Felsklippen, in welchen sich junge verliebte Paare räkeln und der Hitze zu entfliehen suchen, während wir im blendenden Weiß auf nackten Sohlen schlendern.

Wir Spazieren glücklich unseren Weg zurück Richtung Stadt. Mombasa liegt übrigens auf einer Insel. Wenn man als Passant in die Innenstadt möchte, dann ist man gezwungen die öffentliche Fähre zu nehmen, die je nach Tageszeit leer, überfüllt oder zum bersten voll ist. Mit etwas Pech steht man zur späten Stunde am Kai und Benzintransporte rollen auf die mobile Verbindung zur urbanen Welt, dann darf niemand aus Sicherheitsgründen transportiert werden und man wartet wie an einer u-Bahnstation samstagnachts in Berlin, dass die Anzeige doch endlich auf eine humane Warteperiode umspringen möge.

Wir schauen uns Oldtown, die Altstadt an. Auf antik-wirkenden Steinbänken am Fort Jesus haben unermüdliche Teegenießer ihr Lager aufgeschlagen und scheinen dort seit Jahr und Tag ihren Lebensabend im warmen Halbschatten bis zum späten Nachmittag zu genießen.
Dort spricht uns auch Pablo an, ob er uns nicht die Geheimen Ecken etwas zeigen könnte. Er selbt scheint zum Inventar dieser charmanten Stadt zu gehören, entsprechend stellt er sich auch vor als
Old man from old town.

Am Abend schließlich treffen wir unsere Beherrbergerin, mit der wir den Sonnenuntergang genießen, bei einer der für uns legendären Ingwerkaffes, serviert in gerade mal handtellergroßen schön-verzierten cups, die wir verträumt in der Hand drehen, während über der Unterhaltung der aufgehende Mond Scheinwerfergleich die Stadt mit gleißendem licht besprenkelt.

Freitag, 4. Juni 2010

Reise Reise: Mombasas Diani Beach

Hallo Ihr Lieben

vorab moechte ich mich kurz entschuldigen weniger aktiv gewesen zu sein, aber eine zukunftsbezogene Panik wie sie mich zu ereilen pflegt, wenn ich nicht genau weiss wie ich das Unvorhersehbare vorhersehen kann, ueberrante mein Wohlbefinden kurzerhand und noetigte mich jede moegliche Minute im Internet der Studienplatzorientierung zu widmen.
Entschuldigt also bitte.


Tag 6


Fruehmorgentlich wachen wir auf und geniessen den schon sich wohlig-warm aufplusternden Tag, mit seinem strahlenden wolkenlosen Sonnenscheinen, der in den fruehen Morgenstunden schon vielversprechender bezueglich Temperatur wirkt, als Kigali jemals zusagen koennte.

Vor der romatisch blau abblaetternden Holztuer waschen wir unser jeweiliges Sockenpaar aus und lassen die erste gleissende Waerme ueber unsere verzueckt grinsenden Lippen gleiten, bevor wir zum Diani Beach aufbrechen.

Hierbei handelt es sich um den von Touristen zwar bevoelkertsten Strand, aber eben auch um den Schoensten, was nicht unbedingt in kausalem Zusammenhang stehen muss.
Dorthin gelangt man, wenn man den Matatufahrer darum bittet einen an derjenigen Stelle der Parallel zum Strand verlaufenden Strasse abzusetzen, von der aus es am bequemsten sei sich zum Strand durchzuschlagen.
wer jetzt ueber diese Darstellung der Paradiesannaeherung schmunzelt, tut dies nicht zu Unrecht, denn um das begehrte Weiss zu sehen muessen wir durch eine verlassene Hotelanlage schleichen, die von einer uns misstrauisch beaeugenden Pavian-Population behaust wird. An diesem verwunschenen Ort, an dem ich mir als Mowgli in das Djungelbuch versetzt vorkomme, wird mir erst bewusst, wie riesig diese Tiere und wie unheimlich Proportional deren Gebisse sind.


Mit Stoecken und Steinen bewaffnet brechen wir abprupt durch die letzte Palmenreihe und schliessen einen Moment unsere Augen, geblendet vor Helligkeit und Schoenheit, als sich unsere Zehen in etwas Puderzuckerartiges krallen, was unser Verstand nur
widerwillig-ueberfordert in die Kathegorie Sand zu stecken versucht, begleitet von seinem laecherlichen Willen altbekannte Schubladen im Kopf zu oeffnen, sich mit eventuellem Neueinbau separater Trennwaende zu behelfen, seinem Scheitern, sowie der letztendlichen Erstkonstuktion eines Strand-Schreins zur Huldigung dieses Augenblicks weit weg von bisher gekannten Kathegorien.

Selbstbewusst-dreist und herausfordernd blickt uns die paradiesische Anmut Aug in Aug, wir zucken zuerst. Vor tuerkisem Wasser und einer erfrischenden Brise, die an unserer Kleidung sachte zerrend wogt und uns leise zufluestert, wir moegen doch bleiben und uns ausruhen. Wenn wir wollten fuer immer.

Wir ueberlegten es uns fuer die kommenden Stunden. Wir vertreiben sie uns mit Staunen, Baden und gegenseitigem Versichern wie merk-wuerdig wir im wahrsten Sinne diese Zeit finden. Als die Brandung zunimmt stuerzen wir uns in das maritime Tosen und bodysurfen auf den Wellen, werden meterweit auf den Kaemmen gespuelt. Ich breite meine Arme aus und gleite dahin, ein wunderschoenes Gefuehl.


Spaeter goennen wir uns erschoepft die letzten Minuten mit Blick auf unser Urlaubsleben. Knokking-on-heavens-door-aehnlich kippe ich laechelnd zur Seite lausche dem Rauschen, mit dem unbestimmten Gefuehl einfach satt zu sein, so reichhaltig an Leben war der Tag und so ausgetobt fuehle ich mich, wie es sonst wohl nur Kinder von sich behaupten koenen, die uebers Wochenende von ihren Eltern im Huepfburg-Baellebad-Bereich eines Einkaufszentrums vergessen wurden, ohne dass es sie stoeren wuerde.

Sonntag, 9. Mai 2010

Reise Reise: Mombasa

Tag 6

Hallo ihr Lieben

Der Zug haellt an. verdutzt schaue ich aus dem Fenster. Kein Bahnhof. Ein Schaffner laeuft durch die Abteile und beruhigt uns, die Schienen vor uns wuerden nur von einem Transportzug versperrt, es ginge gleich weiter.
Nun bin ich aber schon eine Weile in Afrika um zu wissen, dass gleich relativ ist. Ich ziehe einen Bahnangestellten in ein vertrauliches Gespraech unter vier Augen, das Gefuehl von vertrauter Sicherheit garantierend, damit ihm seine folgende Aussage nicht wie ein allzu grosser Gesichtsverlust vorkommt.

Ich: (im Inbrunstton der Selbstverstaendlichkeit) naja mehr als drei Stunden wird es ja nicht sein, oder?
Er: genau (erschrikt, als er wohl mein auf seiner Aussage ausrutschendes Gesicht sieht und korriegiert sich hastig: ) ja neee, nicht mehr als eine halbe Stunde
Ich: es ist ueberhaupt kein Problem die Wahrheit zu sagen, ich werde es niemandem weitersagen (vielsagender Blick unter uns zwei wissenden dieser Inkompetenz-verschwoerung) ich muss es nur fuer meine Planung wissen.

Schnell wird klar, abspringen und andersweitig nach Mombasa zu kommen ist das jetzige Primaerziel. Durch mangelnde Distanzkenntisse stellt sich das Verhandeln mit den Taxifahrern als schwierig heraus. Da kann man sich nur einer altbewaehrten Methode behelfen, die Grundformel des independent-reisenden anwenden:
Gesamtanzahl aller verlorenwirkenden Pauschaltouristen mal erstangebotenen unverschaemt-taxipreis noch motiviert dahergeranter moeechtegern-verhandlungskuenstler geteilt durch die angenommene Uebertreibungsrate pro Person, sodass man einen Wert herausbekommt, dessen Grad an Gueltigkeit direkt an der Fassungslosigkeit im Gesicht des Fahrers ueberprueft werden muss.

Fuer diejenigen denen sich das Prinzip nur maessig erschliesst: wir sitzen schlussendlich gluecklich mit einem amerikanischem Studentenpaar auf der Rueckbank eines veraergert in sich brummenden Taxifahrers, an dessen Aura von Unmut wir direkt ablesen meinen zu koennen, dass er den Eindruck hat, um den Mehrwert der Touristennepperei geprellt worden zu sein.
ein normaler Preis also. Man bedankt sich bei uns mit einer couchsurf-einladung nach Miami!

In der Innenstadt werden wir von unserer Beherbergerin abgeholt, einer Weltwaertslerinn, die am Festland Kenyas direkt am indischen Ozean unter Palmen stolze Besitzerin einer Huette ist, die viel angemessener scheint als im Film the beach und vor dessen Tuer man sich die Fuesse voller feinem, weissem Sand abtritt. Nicht bevor ich auf der Faehre stehe, bemerke ich, dass Mombasa kompplett auf einer Insel liegt.

Vor der Stadbesichtigung OLdtowns koennen wir uns einen vergnuegt-kindlichen Sprung in die salzige Badewanne vor der Tuer nicht verkneifen, surfen mit unseren Koepern auf Wellen bis an den Strand und gehen die zehn meter grinsend nach Hause, das Laecheln derjenigen, die das Gefuehl haben das Leben selbst ausgetrickst zu haben.

Freitag, 30. April 2010

Reise Reise: Zugfahrt nach Mombasa

Tag 5

Hallo ihr Lieben
Ratta ratta, wir sitzen im Zug richtung Kueste in einem Abteil erster Klasse, was heisst dass wir viel Platz su zweit in einem eigenen Schlafabteil haben.

Abends. Eine atemberaubende Flaeche unendlich scheinender Landschaft gleitet fast taghell, nur durch den Mond beschienen durch die Nacht. Man erkennt deutlich die Schirmarkazien und Huegel, Buesche und Felder. Ab und zu taucht ein einsames Haus auf. Wir halten an einer verlassenen Bahnstation mitten im Nichts: KIU sagt das Schild. Wo bitte?, frage ich Jonas.
Wir winken dem einzigen Bahnpersonal auf verlorenem Posten durch die Nacht zu. Sein Lachen brandet irre und so einsam auf, als hielte er uns fuer eine seiner warscheinlich durch die Oede und Langeweile seines Verstandes erzeugten Wahnvorstellungen. Gruselromantik.

Wir fahren weiter und an uns zischt die Nacht, der warme Fahrtwind und ein vereinzelt aus der Steppe hervordringender muuuUUZUUUunguuuuu-Ruf vorbei.
Wir lehnen uns aus dem Fenster und besehen durch die Wolken brechenden Mond. Er taucht alles in grau-blau und wirft bizarre Schatten durch die Landschaft. Fernab jeglicher zivilisation schieben sich die Abteile mit den in den Kabinen eingebetteten einzelnen Schicksalen wie an einer Perlenschnur aufgereihte naechtlich beleuchtete Wohnzimmer durch die Nacht.

Beim Abendessen kommt kolonialer Flair auf, als wir mit klingelndem Gloeckchen zu Tisch gebeten werden, wo schwarz-weiss bekleidete Bedienung in berueschten Schuerzen gekonnt Tee in das alte originale Tafelsilber giesst.
Gluecklich liege ich in dem inzwischen gemachten Bett und lasse mich rythmisch in den Schlaf ruckeln.


Jonas weckt mich, es ist halbdunkel. Wir hatten uns fest vorgenommen uns den eines jeden Disneyliebhabers gehegten Kindheitswunsch eines Koenig-der-Loewen Sonnenaufgangs ueber der Savanne zu goennen.

Die frische Fahrtluft eines neu angekuendigten Tages umspielt meine Haare waehrend ich aus dem Fenster lehne, eingekuschelt in Decken. Es ist Kuehl. Wie ein Scherenschnitt, in purem Kontrast stehen baobab-Baeume dunkel und selbstsicher gegen lila-blutrot getraenkte Wolken, Vorfreude verheissende Boten, am Horizont. Die Landschaft ist unendlich weit, der Horizont schier unermesslich lang, man hat den Eindruck als wuerde dem Firmament mehr Platz geboten sich frei zu entfalten.
Ich kann mich kaum satt sehen, an all dem immens Grossem, wo sich das Auge im kaum Vorstellbarem verliert. Im Vordergrund gleiten Dornenbuesche durch das Morgengrauen, feucht und kuehl, sich wappnend gegen den bevorstehenden heissen Tag. Ein Wolkenschleier zieht sich lang durch das jedes Gemaelde da vincis in den Schatten stellende Bild, sanft mit der gesammten Palette der warmen Farben spielend.

Warm liebkost ploetzlich die leuchtende Koenigin mit ihren hervorbrechenden Sonnenfingern mein Gesicht, kuesst mich in den Tag, waehrend mich ein gluehend-roter Feuerball fuer Sekunden blendet und imposant den neuen Tag ankuendigt. Wie ein sorgfaeltig drappierter Seidenschal um ein Aktmodell schmiegt sich eine zarte Wolke an den orangefarbenen emporsteigenden Leib, als versuchte sie mit geroeteten Wangen diesen anzueglichen Moment etwas zu mildern.
Wuerdevoll und anmutig steigt die Sonne empor.

Eine Glocke laeutet. Breakfast. Wiederwilig weiche ich von dem fesselnden Anblick zurueck.
Nie wieder nicht reisen fluestere ich erleuchtet-traeumerisch wie zu mir selbst, niemals, stimmt mir Jonas an meiner Seite ehrfuerchtig zu

Freitag, 23. April 2010

Reise Reise: Nairobi

Hallo Ihr lieben
Tage 2-4

Wochenende und wir profitieren von der Planung unserer Gastgeber. In einem kleinen Bus mit droehneder 90er jahre Musik schaukel ich zu Stuecken die ich aus irgendeinem unerfindlichen Grund mitsingen kann zum Takt des stop-and-go im ueberfuellten Nairobi.
Nairobi ist haesslich, schnell und voll. Nicht unliebenswuerdig. Ueberhaupt nicht. Aber so ganz anders als Kigali. Es gibt kein architektonisches Leitmotiv, alles ist bunt vermischt. Sich mit dem Umrchnungskurs noch etwas schwer tuend, besuchen wir die Attraktion einer oeffentlichen Toilette bevor wir uns durch die Stadt zu Fuss waelzen.
In einem anderen Stadteil wollen wir einen lokalen hip-hop Event besuchen, dazu steigen wir in die riesigen innerstaedtischen Busse und bitten den Fahrer uns bescheid zu sagen, wann wir aussteigen muessen. Er vergisst es. Somit bekommen wir die Chance eines Sightseeings der anderen Art, einer ghetto-safari wie man zynisch sagen koennte.
Zerfahrene unbefestigte Strassen in der exakten Farbe wie man sich den unbestimmten Begriff Schmutz vorstellt, brennende Muellhaufen an denen alle selbstverstaendig vorbelaufen- wir naehern uns der Hintergrundkulisse musikmachender Jugend.
Ich fuehle mich trotzdem komplett wohl und sicher. Mit etwas Geld in der Tasche und nichts teures dabei ist das wertvollste mein Laecheln auf den Lippen, waehrend ich mit der Stirn an der Scheibe die Distanziertheit des sich nicht einmischenden Beobachters durch ein Fenster geniesse.

Die musikalische Performance war nicht in englisch und eher bescheiden, dafuer raechte sich das erbarmungslose Publikum mit bedingungsloser Ehrlichkeit: buu-rufe und tosender Applaus. Sehenswuerdiger waren graffiti Kuenstler die sich an dem Oeffentlichen Gebaeude legal vererwigten.

Im Anschluss in eine locale bar, mit der kuenstler gruppe, in einer Gegend von der ich mir garnicht einbilde jemals einen Fus hineingesetzt zu haben, haetten wir nicht die Tipps unserer Leute gehabt.
Wir tanzen zu eher lateinamerikanischer Musik, amuesieren uns koestlich, als Jonas mit dem Blick auf sein Telephon einknickt. Todesfall in der Familie. Auf einmal wurde die ganze Kulisse unangenehm und gruselig, wir im schlecht beleuchteten, deprimierenden armenviertel, wie im Albtraum.

Ich kuemmere mich um einen schnellen weg nach Hause, unwirklich rast am Taxi die Landschaft vorbei. Brennender Muell wirft flackerndes Licht auf gespenstische Metasllskelette vergessener Autofriedhoefe.

Am folgenden morgen werden wir mit einem festlich amerikanischen pan-cake Fruehstueck verwoehnt und starten in einen Tag mit marktshoppen.
Der naechste Schock: um fluessig zu bleiben verlassen wir uns auf Jonas Mastercard um stetigen finanziellen Nachschub zu bekommen anstatt das Bargeld fuer den ganzen Urlaub spazieren zu fuehren. Die Karte wird ploetzlich eingezogen. Verzweifelt beherrschen wir uns die Hoellenmaschine nicht einzutreten.
Am naechsten Tag nach schlafloser Nacht bekommen wir allerdings die Karte wieder, schaffen es aber nicht an Geld zu kommen. Es reichte erstmal noch fuer Zugtickets nach Mombasa.


In der Innenstadt stehen wir mit unseren indischen Freunden (kennengelernt in Kigali) im Bankenviertel. Die lokalen Disparitaeten sind immens. Nairobi ist schitzophren. Uns wird von der anderen Seite als Partymetropole erzaehlt. Feiern kann man aber ueberall, wir haben vielseitige Eindruecke in so kurzer Zeit bekommen koennen und intensiver den Gegensatz Stadt-Slum erfahren.

Freitag, 16. April 2010

Reise Reise: Kenya/Nairobi Ankunft

Ihr Lieben

Jetzt habt ihr ja schon eine weile nichts mehr von mir gehoert. Das liegt daran, dass ich gerade erst aus dem Urlaub zuruekgekommen bin, von fast zwei Wochen erzaehlwuerdigem Abenteuerurlaub.

Tag 1
Wir, dass heisst Jonas und ich, hatten beschlossen nach acht Monaten Entbehrung uns einen touritypischen Flug nach Nairobi zu goennen. Andernfalls haetten wir mehr als einen Tag im Bus gesessen, heatten noerdlich des Victoriasees durch Uganda gemusst und somit einen nervenaufreibenden Grenzuebergang mehr ueberstehen muessen. So fuhren wir frueh zum Flughafen, doesten kurz fuer eine stunde nach einem Flugzeugfruehstueck ein und kamen erfrischt ohne belastetes Sitzfleisch noch am Vormittag an, um Nairobi fuer uns erobern zu koennen.

Bezueglich der Unterkunft haben wir uns fuer etwas ungewoehnliches entschieden; couchsurfing.
Im vorhinein kontaktierten wir uns beherbergungswillige Menschen via Interentplattform und hofften auf sich nicht geanderte Gemueter wenn wir erstmal angekommen waeren. In der tat boten sich einige vertrauenserweckende Voluntaers-budget-versteher prompt an. Uns wurde eine ausfuerhliche Wegbeschreibung geschickt, um wohlbehalten und nicht mehr als noetig zahlend vom Aeroport in unserem vorlaeufigen zu Hause anzukommen. Mit etwas mulmigen gefuehl, ob auch alles so klappt, wie wir uns das vorstellen, steigen wir in das taxi ein, von dem uns noch greaten wurde: bloss nicht ohne taxigesellschaft, die fahren euch sonst wo hin zwecks Habseligkeitenerleichterung. Es heist nicht um sonst Nairobbery. Aber unbesiegbar wie wir uns waehnen, wissen wir, dass sowas natuerlich immer nur den anderen passiert .
Wir behielten recht.

So warmherzig und unkompliziert kann man nicht vom besten noch-so-viele-sterne-hotel empfangen werden, wie unsere Amerikanischen Gastgeberinnen uns willkommen hiessen. Wir wurden herumgefuehrt, alles wurde auch als das unsrige bezeichnet, wir konnten unser Glueck kaum fassen, stutzten zuerst, warfen uns verstohlene Blicke zu a la: wo ist der Haken?
Doch so blieb es. Durch deren Ortskundigkeit und Hilfsbereitschaft sparten wir Geld, Zeit und Frust. Direkt nach unserer Ankunft fuehlten wir uns dank der entspannten Reiseform auch imstande eines ihrer Projekte zu besuchen, so kamen wir in Bezirke Nairobis, die wir ohne Hilfe niemals auch nur in Betracht gezogen haetten.

Wir kehren Heim nach den ersten spanennden impressionen einer Gegend, die so ganz anders als das ruhige Rwanda ist. Ueber das Wochenende, genau zu unserem Besuch sollten abends noch freunde kommen. volles Haus, internationals Aufgebot vertretener Laender, interkulturelle Gespraechsthemen, selber Humor, einhelliges Einvernehmen. Wir trinken den gleichen (auch als lokale Spezialitaet verstandenen) suesse Tee wie bei uns, dazu frisch gebackene Zimtrollen nach amerikanischem Grossmutterrezept .

Abends rollten wir uns auf den uns zur verfuegung gestellten matratzen zusammen und sannen ueber den ersten schon so voll an Impressionen erlebten tag nach., darueber, wie froh wir ueber unsere Reiseentscheidung waren.

Dienstag, 23. März 2010

Katzenexekution

Hallo ihr Lieben

die letzte Geschichte aus dem alten Haus moechte ich euch kurz praesentieren

Es war einmal an einem Nachmittag nach harter Arbeit, als ich Heimkehrte. Vor meiner tuer lag eine katze, ein schoenes Tier, elegant und anmutig mit schoenem einfarbig grauem Fell. Aus irgendeinem Grund jedoch fluechtete es nicht, sondern beschraenkte sich darauf mich bewegungslos anzufauchen. Beim naeherkommen bemerkte ich, dass es verletzt war, es sah so aus als haette jemandem ihm einen Tritt auf das Hinterteil verpasst, sodass es erfolglos auf dem glatten Untergrund mit den Vorderpfoten ruderte.

etwas hilflos wendete ich mich an Nadine, unsere rwandische Mama sozusagen, da ich mir einen wertvollen durch Erfahrung erworbenen Tipp erhoffte. sie wiederrum rief jemand anderes, der relativ ungeruehrt mit einem Mop, etwas Schwung und Hebelkraft das arme Tier durch die Luft segeln liess, sodass es etwas abseits landete. Das war ihm noch nicht weit genug, also noch einige weitere Schleuderer.

Ich konnte es nicht fassen. Unglaeubig zeigte ich Jonas was gerade passiert war, wo die Katze lag. Das sahen zufaellig einige kinder, dass auf dem Rasen scheinbar etwas aufmerksamkeitswuerdiges zu finden war. Als wir uns schliesslich etwas entfernten, stuermten die Kinder auf das Tier zu.

In Deutschland haette man Kinderreaktionen a la oooooh ist die suess, wir muessen der helfen, mama darf ich büüüüüüüütteeeee erwartet. Zu unserem entsetzen geschah aber etwas ganz anderes, es bewaffnete sich naemlich jedes der Kinder mit irgendetwas besonders stumpfen, um mit geworfenen Steinen, peitschenden Aesten oder plaettenden Felsbrocken der Katze ein besonders schmerzhaftes Maertyrium zu bereiten.

Wir scheuchten die Kinder weg, damit das Tier in Frieden ableben koenne, doch immer wenn wir den Schauplatz der Exekution verliessen, sprang die johlende Meute vergnuegt auf ihre abendliche Fernseh-ersatz Unterhaltung.
Ein brutales happy-gathering mit Blutrausch-faktor.
Mir wurde schlecht

Mir kam die Idee einer gruppenwirksamen Erziehungsmassnahme. Ich schnappte mir eins der Kinder, einen besonders fleissigen Quaeler, packte ihn an den Knoecheln und
hielt ihn mit dem Kopf nach unten ueber das in den todeskampf verstrickte Tier, was in richtung Gesicht wuetend Hiebe setzte ohne ihn zu erreichen.
Ich dachte diese lektion nach dem Motto: stell dir vor da kommt ein Riese.. und der anschliessenden Moral von was du nicht willst was man dir tut.. wuerde funktionieren, doch zeigten sich alle beteiligten unbeeindruckt. Kaum wieder abgesetzt ging das bunte Treiben weiter.

Wir zogen resignierend ab, darueber nachdenkend, ob sich an dem Verhalten der Kinder einer Gesellschaft der Grad der Zivilisation abmessen laesst, ob uns das vorhandene Gewaltpotenzial wirklich wundert.

Freitag, 19. März 2010

Boeses Erwachen

Hallo ihr Lieben

Es gibt einen besonders ausschlaggebenden Grund warum ich ausgezogen bin, den ich kurz schildern moechte.

Es ging mir nicht besonders gut, ich legte mich ins Bett und liess die Tuer unabgeschlossen, da ich eine einmal gemachte schlechte Erfahrung nicht wiederholen wollte, bei der ich hektisch an der Tuer ruettelnd mit dem schwer sperrenden Schloss nicht zurecht kam in einer Situation, die blitzartiges Verlassen meines Wohnraumes erfordert haette. Dumpf sank ich also in den Schlaf, wobei rythmisch haemmernde Kopfschmerzern mich in einen traumlosen Zustand versetzten.

Ich wache auf. Ein Geraeusch ist in meinem Zimmer. Schwer erhebe ich meinen Kopf und schaue in den Raum. Ich blinzel Zehn Zentimeter bis zum Moskitonetz und dahinter nochmal zehn zentimeter entfernt, schaut mich jemand an. Komisch, denke ich, wenn das mein Rwandischer Freund ist, dann haette er doch mal gruessen koennen, wo er schon inmitten meiner schwerlich noch extremer unzuberuecksichtigen Privatsphaere steht. Wenigstens ist er leise.

Ich ziehe das Netz hoch und blicke jemandem ins Gesicht, den ich in meinem ganzen Leben noch nie gesehen habe. Was dann passiert, habe ich eher als eine Art Foto-aktions-Reihe in Erinnerung, wie aus der Sicht einer dritten Person, bei der ich mich in Unterhosen und Rage auf den Eindringling stuerze.
In einem Mal entlaedt sich naemlich der ganze gesammelte Frust und saemtliche angestaute Wut an diesem betrunkenen Einbrecher, der wohl alle Tueren versucht hatte zu oeffnen um dann schliesslich bei einem Privatsphaeren-ueberempfindlichen Bewusstlos-scheinenden im Raum zu stehen, der zufaellig ich war. Wie eine Mutter uebernatuerliche Kraefte entwickelt, wenn ihre Kinder unter einem Baum eingeklemmt werden, legt sich bei mir der Schalter in dem Moment um, als meine letzte Bastion des Rueckzugs, mein Kleinod angegriffen wird. Ich bin das in die Ecke gedraengte Karnickel von neulich.
Nur Staerker.

Kurz bevor ich ihm meine non-verbale Aussage entgegenschleudere, faselt er auch noch irgendwas von Tieren, er versucht allen ernstes mir weisszumachen, dass er seine Ziege in meinem Gemach verloren habe. Das ich mich dadurch zusaetlich zu meiner Rage auch noch verspottet fuehle, kommt ihm nicht sonderlich zugute.
Ich lege ihm eindringlich ans Herz sich alsbald aus meinem Heiligtum zu verlieren und komplimentiere ihn situationsgerecht hinaus. Es muss von aussen geradezu albern ausgesehen haben, als ich ihn mit einer Hand am Nacken ueber den Graben schleudere und er tatsaechlich ein ganzes Stueck durch die Luft segelt um unsanft zu landen.
Ich schreie irgendwas in blindem Hass hinter dem sich aufrappelnden und warscheinlich sein Glueck kaum fassenden Einbrecher hinterher, waehrend dieser, ohne Lynchjustiz zu erfahren, tuermt.

Ich lege mich ins Bett und versuche mich zu beruhigen. Mit sinkendem Herzschlag und dem Ruecktausch Adrenalin-Zurechnungsfaehigkeit gehe ich diese so unwirklich scheinende Situation im Kopf nocheinmal durch. Entspannung kehrt ein.
Moment. Wer sagt denn, dass ich nicht aufgewacht bin, wo er den Raum gerade verlassen wollte? Wenn er laengst alles hat was er will? Wieder spuere ich das Blut wallen, schaue mich um.
Wo ist mein Handy? Weg! Aus mir bricht ein Urschrei der Verzweiflung und Rachegefuehls hervor. Ich springe in meine Sachen und renne los. Ich weiss keine genaue Richtung und stuerme deswegen durch das Viertel. Was hat er eigentlich an? Mir wird klar, dass er vor mir stehen kann, ohne dass ich ihn eindeutig identifizieren koennte. Er hatte ein orangefarbenes Oberteil an.

Die erste Person die ich frage bietet sich spontan wiederstandslos an sich von mir durchsuchen zu lassen. Ich kann mir vorstellen einen sehr wilden und wahnsinnigen Eindruck gemacht zu haben; die zweite Person greifft sofort in ihre Tasche nachdem sie mich nicht versteht und zueckt ihre Brieftasche um mir ihr gesamtes Bargeld darzureichen. Ich lasse ihn los, bemerke dass er selbst allem anschein nach zu glauben scheint ueberfallen zu werden.

Kochend und erfolglos kehre ich Heim, vefluche die Welt.

Ergo: Handy weg, bis heute, der Umzug war mir auf einmal sehr wichtig und ich versuche die ganze Episode unter der Uerberschrift :ich bin ein ueberreagierender Materialist abzuhaken.
Dennoch frage ich mich, was passiert waere, wenn er bewaffnet gewesen waere, oder ich eine meiner Voluntaer-Freundinnen und er nicht auf Geld aus?

Freitag, 12. März 2010

Umzug

Hallo ihr Lieben

Die Ueberschrift laesst nur das Beste vermuten und tatsaechlich ist es wahr: wir sind umgezogen. Wir, das sind Jonas, Philip und ich. Nahe der Innenstadt und nicht zu weit entfernt unseren jeweiligen Abreitsstaetten, bezogen wir ein Haus in schlechtem Zustand. Mit dem unbedingten Willen und Ehrgeiz dreier junger Maenner und bis an die Zaehne bewaffnet mit Farbe fuer Boden und Waende stuerzten wir uns auf unser neues Heim.

Rwandsich untypisch streichen wir alles hell, die Waende weiss und den Boden grau, waehrend wir polit-kabaret hoehren und tee schluerfen. Fuer alle die sich fragen ob ich das ernst meine, ja, hier bepinselt man auch den Fussboden, weil er aus Stein ist und taeglich gewischt wird. Das Haus besteht aus einem grossen Salon mit Sitzgelegenheiten und angeschlossenem ess-salon.
Die Kueche war ein Alptraum. Gemaess rwandischer Kultur gehoert der Ort der Essenszubereitung nach draussen und somit nicht zum Wohnraum. Obwohl diese aber bei uns im Haus liegt, wurde trotzdem gefeuert was das Zeug hielt. Kohlrabenschwarze Waende, eine Decke zum Fluechten und ein Boden, der jeder Beschreibung von Siff spottet. In wochenend- bzw nacht-hau-ruck-aktionen befreiten wir die verborgene Schoenheit, die nur auf ihre Erloesung gewartet hatte.
Ein Raum dient als Lager, ein jeder hat ein Zimmer und der letzte Raum stellte Flaeche zur freien Verfuegung dar. Was also tun? Drei Jungs- also vielleicht ein Kicker-,Billard,-oder Bar-raum?
Schlussendlich entschieden wir uns fuer einen begehbaren Kleiderschrank, damit die Zimmer wirklich perfekt genutzt werden koennen und die Waesche nicht durch das Haus wandert.

Mein Zimmer ist das groesste des Hauses, mit weiter ausladender Fensterfront und Blick auf den gegenueberliegenden Huegel und toll erleuchteter Skyline bei Nacht. Im Vordergund vor meinem Ausblick liegt unser Garten. Den gibt es naemlich auch noch, und nicht zu knapp, in dem wir angefangen haben die von Philips franzoesischer Mutter geschickten Lavendelsamen zu saeen. Morgens bis zum Vormittag geht die Sonne so auf, dass ich hell erleuchtet erwache- ziemlich wichtig fuer mich, Helligkeit ist ein absoluter Gute-laune Faktor. Wenn ich euch frage, was ihr glaubt, wie ich wohl zu so viel Platz komme, dann sagt ihr, dass wir uns warscheinlich demokratisch drum gepruegelt haben. Nein. Fast. In einer epischen Schlacht schnick-schnack-schnuck umwickelte dramatisch mein Papier jonas‘ Stein und garantierte mir so fuer das restliche halbe Jahr den Wohlfuehlraum meiner Wahl.
Die Decke haenge ich mit leichten blaulich schimmernden Stoffbahnen ab, das minimalistische weiss-in-weiss Thema wird aufgelockert durch Kerzen und Masken an den Waenden. Das Ziel ist es mit dem Haus soweit fertig zu werden, das wenn wir am Ende dieses Monats unsere Kenia-Tanzania Reise machen, in einen ansehnlichen Wohnraum zurueckkommen und nicht sofort wieder fluechten wollen.


Ein Tehma, dass unter uns auch mit Zwiespalt betrachtet wurde, war das der Ordnung, des Waeschewaschens, des Putzens und Garteninstandhaltens. Als Resultat haben wir jetzt eine Angestellte. Fuer all diejenigen, deren Inneres jetzt aufbegehrt und in deren Kopf sich Saetze bilden wie: so habe ich mir ein Jahr voller Entbehrung aber nicht vorgestellt! Oder: denen muss es ja echt dreckig gehen, da unten, so ganz ohne Lebensstandard! Moechte ich das gerne erklaeren. In unseren Augen ist es natuerlich komisch und vielleicht sogar anmassend jemanden dafuer zu bezahlen, dass zu machen, wozu wir uns zu schade sind. Es ist eine Arbeit die wir selbst nicht machen wollen, ergo gefuehlt unmoralisch. Man hat ein schlechtes gewissen. Sagt man das aber so einem Rwander, versteht er die Welt nicht mehr, denn ich sollte mich lieber schaemen, dass ich, wo ich doch etwas Geld ueber habe, nicht jemanden genau fuer sowas einstelle, halbtags, der so sein Leben fuer sich und seine Kinder sicherstellen kann, mit gesichertem Einkommen, sich bei so hoher Arbeistlosigkeit gluecklich schaetzt.
Wenn wir sie nicht einstellen, dann tun wir niemand anderem als uns selbst einen Gefallen, unsere innere Kopfstimmen schweigt dann , aber in ihren Augen, von Mama Lili, so heisst die gute naemlich, waeren wir schlicht geizig und unhilfsbereit. Alos ist es uns unser Taschengeld wert mehr Freizeit zu haben und darueberhinaus noch etwas gutes getan zu haben.

Aber genug der Rechtfertigungen im Vorhinein. Wenn wir jetzt auf unserer Terrasse sitzen und uns unterhalten, dann auf Franzoesisch. Mit Philou als bilingualer Stuetze dieses Unterfangens und Jonas mit Austauscherfahrung und inniger Liebe zur Aix-en-provence, sowie mir, als Sprachliebhaber, werden wir die restliche Zeit nutzen, um uns privat komplett an diese schoene Sprache zu gewoehnen.