Freitag, 4. Juni 2010

Reise Reise: Mombasas Diani Beach

Hallo Ihr Lieben

vorab moechte ich mich kurz entschuldigen weniger aktiv gewesen zu sein, aber eine zukunftsbezogene Panik wie sie mich zu ereilen pflegt, wenn ich nicht genau weiss wie ich das Unvorhersehbare vorhersehen kann, ueberrante mein Wohlbefinden kurzerhand und noetigte mich jede moegliche Minute im Internet der Studienplatzorientierung zu widmen.
Entschuldigt also bitte.


Tag 6


Fruehmorgentlich wachen wir auf und geniessen den schon sich wohlig-warm aufplusternden Tag, mit seinem strahlenden wolkenlosen Sonnenscheinen, der in den fruehen Morgenstunden schon vielversprechender bezueglich Temperatur wirkt, als Kigali jemals zusagen koennte.

Vor der romatisch blau abblaetternden Holztuer waschen wir unser jeweiliges Sockenpaar aus und lassen die erste gleissende Waerme ueber unsere verzueckt grinsenden Lippen gleiten, bevor wir zum Diani Beach aufbrechen.

Hierbei handelt es sich um den von Touristen zwar bevoelkertsten Strand, aber eben auch um den Schoensten, was nicht unbedingt in kausalem Zusammenhang stehen muss.
Dorthin gelangt man, wenn man den Matatufahrer darum bittet einen an derjenigen Stelle der Parallel zum Strand verlaufenden Strasse abzusetzen, von der aus es am bequemsten sei sich zum Strand durchzuschlagen.
wer jetzt ueber diese Darstellung der Paradiesannaeherung schmunzelt, tut dies nicht zu Unrecht, denn um das begehrte Weiss zu sehen muessen wir durch eine verlassene Hotelanlage schleichen, die von einer uns misstrauisch beaeugenden Pavian-Population behaust wird. An diesem verwunschenen Ort, an dem ich mir als Mowgli in das Djungelbuch versetzt vorkomme, wird mir erst bewusst, wie riesig diese Tiere und wie unheimlich Proportional deren Gebisse sind.


Mit Stoecken und Steinen bewaffnet brechen wir abprupt durch die letzte Palmenreihe und schliessen einen Moment unsere Augen, geblendet vor Helligkeit und Schoenheit, als sich unsere Zehen in etwas Puderzuckerartiges krallen, was unser Verstand nur
widerwillig-ueberfordert in die Kathegorie Sand zu stecken versucht, begleitet von seinem laecherlichen Willen altbekannte Schubladen im Kopf zu oeffnen, sich mit eventuellem Neueinbau separater Trennwaende zu behelfen, seinem Scheitern, sowie der letztendlichen Erstkonstuktion eines Strand-Schreins zur Huldigung dieses Augenblicks weit weg von bisher gekannten Kathegorien.

Selbstbewusst-dreist und herausfordernd blickt uns die paradiesische Anmut Aug in Aug, wir zucken zuerst. Vor tuerkisem Wasser und einer erfrischenden Brise, die an unserer Kleidung sachte zerrend wogt und uns leise zufluestert, wir moegen doch bleiben und uns ausruhen. Wenn wir wollten fuer immer.

Wir ueberlegten es uns fuer die kommenden Stunden. Wir vertreiben sie uns mit Staunen, Baden und gegenseitigem Versichern wie merk-wuerdig wir im wahrsten Sinne diese Zeit finden. Als die Brandung zunimmt stuerzen wir uns in das maritime Tosen und bodysurfen auf den Wellen, werden meterweit auf den Kaemmen gespuelt. Ich breite meine Arme aus und gleite dahin, ein wunderschoenes Gefuehl.


Spaeter goennen wir uns erschoepft die letzten Minuten mit Blick auf unser Urlaubsleben. Knokking-on-heavens-door-aehnlich kippe ich laechelnd zur Seite lausche dem Rauschen, mit dem unbestimmten Gefuehl einfach satt zu sein, so reichhaltig an Leben war der Tag und so ausgetobt fuehle ich mich, wie es sonst wohl nur Kinder von sich behaupten koenen, die uebers Wochenende von ihren Eltern im Huepfburg-Baellebad-Bereich eines Einkaufszentrums vergessen wurden, ohne dass es sie stoeren wuerde.

Sonntag, 9. Mai 2010

Reise Reise: Mombasa

Tag 6

Hallo ihr Lieben

Der Zug haellt an. verdutzt schaue ich aus dem Fenster. Kein Bahnhof. Ein Schaffner laeuft durch die Abteile und beruhigt uns, die Schienen vor uns wuerden nur von einem Transportzug versperrt, es ginge gleich weiter.
Nun bin ich aber schon eine Weile in Afrika um zu wissen, dass gleich relativ ist. Ich ziehe einen Bahnangestellten in ein vertrauliches Gespraech unter vier Augen, das Gefuehl von vertrauter Sicherheit garantierend, damit ihm seine folgende Aussage nicht wie ein allzu grosser Gesichtsverlust vorkommt.

Ich: (im Inbrunstton der Selbstverstaendlichkeit) naja mehr als drei Stunden wird es ja nicht sein, oder?
Er: genau (erschrikt, als er wohl mein auf seiner Aussage ausrutschendes Gesicht sieht und korriegiert sich hastig: ) ja neee, nicht mehr als eine halbe Stunde
Ich: es ist ueberhaupt kein Problem die Wahrheit zu sagen, ich werde es niemandem weitersagen (vielsagender Blick unter uns zwei wissenden dieser Inkompetenz-verschwoerung) ich muss es nur fuer meine Planung wissen.

Schnell wird klar, abspringen und andersweitig nach Mombasa zu kommen ist das jetzige Primaerziel. Durch mangelnde Distanzkenntisse stellt sich das Verhandeln mit den Taxifahrern als schwierig heraus. Da kann man sich nur einer altbewaehrten Methode behelfen, die Grundformel des independent-reisenden anwenden:
Gesamtanzahl aller verlorenwirkenden Pauschaltouristen mal erstangebotenen unverschaemt-taxipreis noch motiviert dahergeranter moeechtegern-verhandlungskuenstler geteilt durch die angenommene Uebertreibungsrate pro Person, sodass man einen Wert herausbekommt, dessen Grad an Gueltigkeit direkt an der Fassungslosigkeit im Gesicht des Fahrers ueberprueft werden muss.

Fuer diejenigen denen sich das Prinzip nur maessig erschliesst: wir sitzen schlussendlich gluecklich mit einem amerikanischem Studentenpaar auf der Rueckbank eines veraergert in sich brummenden Taxifahrers, an dessen Aura von Unmut wir direkt ablesen meinen zu koennen, dass er den Eindruck hat, um den Mehrwert der Touristennepperei geprellt worden zu sein.
ein normaler Preis also. Man bedankt sich bei uns mit einer couchsurf-einladung nach Miami!

In der Innenstadt werden wir von unserer Beherbergerin abgeholt, einer Weltwaertslerinn, die am Festland Kenyas direkt am indischen Ozean unter Palmen stolze Besitzerin einer Huette ist, die viel angemessener scheint als im Film the beach und vor dessen Tuer man sich die Fuesse voller feinem, weissem Sand abtritt. Nicht bevor ich auf der Faehre stehe, bemerke ich, dass Mombasa kompplett auf einer Insel liegt.

Vor der Stadbesichtigung OLdtowns koennen wir uns einen vergnuegt-kindlichen Sprung in die salzige Badewanne vor der Tuer nicht verkneifen, surfen mit unseren Koepern auf Wellen bis an den Strand und gehen die zehn meter grinsend nach Hause, das Laecheln derjenigen, die das Gefuehl haben das Leben selbst ausgetrickst zu haben.

Freitag, 30. April 2010

Reise Reise: Zugfahrt nach Mombasa

Tag 5

Hallo ihr Lieben
Ratta ratta, wir sitzen im Zug richtung Kueste in einem Abteil erster Klasse, was heisst dass wir viel Platz su zweit in einem eigenen Schlafabteil haben.

Abends. Eine atemberaubende Flaeche unendlich scheinender Landschaft gleitet fast taghell, nur durch den Mond beschienen durch die Nacht. Man erkennt deutlich die Schirmarkazien und Huegel, Buesche und Felder. Ab und zu taucht ein einsames Haus auf. Wir halten an einer verlassenen Bahnstation mitten im Nichts: KIU sagt das Schild. Wo bitte?, frage ich Jonas.
Wir winken dem einzigen Bahnpersonal auf verlorenem Posten durch die Nacht zu. Sein Lachen brandet irre und so einsam auf, als hielte er uns fuer eine seiner warscheinlich durch die Oede und Langeweile seines Verstandes erzeugten Wahnvorstellungen. Gruselromantik.

Wir fahren weiter und an uns zischt die Nacht, der warme Fahrtwind und ein vereinzelt aus der Steppe hervordringender muuuUUZUUUunguuuuu-Ruf vorbei.
Wir lehnen uns aus dem Fenster und besehen durch die Wolken brechenden Mond. Er taucht alles in grau-blau und wirft bizarre Schatten durch die Landschaft. Fernab jeglicher zivilisation schieben sich die Abteile mit den in den Kabinen eingebetteten einzelnen Schicksalen wie an einer Perlenschnur aufgereihte naechtlich beleuchtete Wohnzimmer durch die Nacht.

Beim Abendessen kommt kolonialer Flair auf, als wir mit klingelndem Gloeckchen zu Tisch gebeten werden, wo schwarz-weiss bekleidete Bedienung in berueschten Schuerzen gekonnt Tee in das alte originale Tafelsilber giesst.
Gluecklich liege ich in dem inzwischen gemachten Bett und lasse mich rythmisch in den Schlaf ruckeln.


Jonas weckt mich, es ist halbdunkel. Wir hatten uns fest vorgenommen uns den eines jeden Disneyliebhabers gehegten Kindheitswunsch eines Koenig-der-Loewen Sonnenaufgangs ueber der Savanne zu goennen.

Die frische Fahrtluft eines neu angekuendigten Tages umspielt meine Haare waehrend ich aus dem Fenster lehne, eingekuschelt in Decken. Es ist Kuehl. Wie ein Scherenschnitt, in purem Kontrast stehen baobab-Baeume dunkel und selbstsicher gegen lila-blutrot getraenkte Wolken, Vorfreude verheissende Boten, am Horizont. Die Landschaft ist unendlich weit, der Horizont schier unermesslich lang, man hat den Eindruck als wuerde dem Firmament mehr Platz geboten sich frei zu entfalten.
Ich kann mich kaum satt sehen, an all dem immens Grossem, wo sich das Auge im kaum Vorstellbarem verliert. Im Vordergrund gleiten Dornenbuesche durch das Morgengrauen, feucht und kuehl, sich wappnend gegen den bevorstehenden heissen Tag. Ein Wolkenschleier zieht sich lang durch das jedes Gemaelde da vincis in den Schatten stellende Bild, sanft mit der gesammten Palette der warmen Farben spielend.

Warm liebkost ploetzlich die leuchtende Koenigin mit ihren hervorbrechenden Sonnenfingern mein Gesicht, kuesst mich in den Tag, waehrend mich ein gluehend-roter Feuerball fuer Sekunden blendet und imposant den neuen Tag ankuendigt. Wie ein sorgfaeltig drappierter Seidenschal um ein Aktmodell schmiegt sich eine zarte Wolke an den orangefarbenen emporsteigenden Leib, als versuchte sie mit geroeteten Wangen diesen anzueglichen Moment etwas zu mildern.
Wuerdevoll und anmutig steigt die Sonne empor.

Eine Glocke laeutet. Breakfast. Wiederwilig weiche ich von dem fesselnden Anblick zurueck.
Nie wieder nicht reisen fluestere ich erleuchtet-traeumerisch wie zu mir selbst, niemals, stimmt mir Jonas an meiner Seite ehrfuerchtig zu

Freitag, 23. April 2010

Reise Reise: Nairobi

Hallo Ihr lieben
Tage 2-4

Wochenende und wir profitieren von der Planung unserer Gastgeber. In einem kleinen Bus mit droehneder 90er jahre Musik schaukel ich zu Stuecken die ich aus irgendeinem unerfindlichen Grund mitsingen kann zum Takt des stop-and-go im ueberfuellten Nairobi.
Nairobi ist haesslich, schnell und voll. Nicht unliebenswuerdig. Ueberhaupt nicht. Aber so ganz anders als Kigali. Es gibt kein architektonisches Leitmotiv, alles ist bunt vermischt. Sich mit dem Umrchnungskurs noch etwas schwer tuend, besuchen wir die Attraktion einer oeffentlichen Toilette bevor wir uns durch die Stadt zu Fuss waelzen.
In einem anderen Stadteil wollen wir einen lokalen hip-hop Event besuchen, dazu steigen wir in die riesigen innerstaedtischen Busse und bitten den Fahrer uns bescheid zu sagen, wann wir aussteigen muessen. Er vergisst es. Somit bekommen wir die Chance eines Sightseeings der anderen Art, einer ghetto-safari wie man zynisch sagen koennte.
Zerfahrene unbefestigte Strassen in der exakten Farbe wie man sich den unbestimmten Begriff Schmutz vorstellt, brennende Muellhaufen an denen alle selbstverstaendig vorbelaufen- wir naehern uns der Hintergrundkulisse musikmachender Jugend.
Ich fuehle mich trotzdem komplett wohl und sicher. Mit etwas Geld in der Tasche und nichts teures dabei ist das wertvollste mein Laecheln auf den Lippen, waehrend ich mit der Stirn an der Scheibe die Distanziertheit des sich nicht einmischenden Beobachters durch ein Fenster geniesse.

Die musikalische Performance war nicht in englisch und eher bescheiden, dafuer raechte sich das erbarmungslose Publikum mit bedingungsloser Ehrlichkeit: buu-rufe und tosender Applaus. Sehenswuerdiger waren graffiti Kuenstler die sich an dem Oeffentlichen Gebaeude legal vererwigten.

Im Anschluss in eine locale bar, mit der kuenstler gruppe, in einer Gegend von der ich mir garnicht einbilde jemals einen Fus hineingesetzt zu haben, haetten wir nicht die Tipps unserer Leute gehabt.
Wir tanzen zu eher lateinamerikanischer Musik, amuesieren uns koestlich, als Jonas mit dem Blick auf sein Telephon einknickt. Todesfall in der Familie. Auf einmal wurde die ganze Kulisse unangenehm und gruselig, wir im schlecht beleuchteten, deprimierenden armenviertel, wie im Albtraum.

Ich kuemmere mich um einen schnellen weg nach Hause, unwirklich rast am Taxi die Landschaft vorbei. Brennender Muell wirft flackerndes Licht auf gespenstische Metasllskelette vergessener Autofriedhoefe.

Am folgenden morgen werden wir mit einem festlich amerikanischen pan-cake Fruehstueck verwoehnt und starten in einen Tag mit marktshoppen.
Der naechste Schock: um fluessig zu bleiben verlassen wir uns auf Jonas Mastercard um stetigen finanziellen Nachschub zu bekommen anstatt das Bargeld fuer den ganzen Urlaub spazieren zu fuehren. Die Karte wird ploetzlich eingezogen. Verzweifelt beherrschen wir uns die Hoellenmaschine nicht einzutreten.
Am naechsten Tag nach schlafloser Nacht bekommen wir allerdings die Karte wieder, schaffen es aber nicht an Geld zu kommen. Es reichte erstmal noch fuer Zugtickets nach Mombasa.


In der Innenstadt stehen wir mit unseren indischen Freunden (kennengelernt in Kigali) im Bankenviertel. Die lokalen Disparitaeten sind immens. Nairobi ist schitzophren. Uns wird von der anderen Seite als Partymetropole erzaehlt. Feiern kann man aber ueberall, wir haben vielseitige Eindruecke in so kurzer Zeit bekommen koennen und intensiver den Gegensatz Stadt-Slum erfahren.

Freitag, 16. April 2010

Reise Reise: Kenya/Nairobi Ankunft

Ihr Lieben

Jetzt habt ihr ja schon eine weile nichts mehr von mir gehoert. Das liegt daran, dass ich gerade erst aus dem Urlaub zuruekgekommen bin, von fast zwei Wochen erzaehlwuerdigem Abenteuerurlaub.

Tag 1
Wir, dass heisst Jonas und ich, hatten beschlossen nach acht Monaten Entbehrung uns einen touritypischen Flug nach Nairobi zu goennen. Andernfalls haetten wir mehr als einen Tag im Bus gesessen, heatten noerdlich des Victoriasees durch Uganda gemusst und somit einen nervenaufreibenden Grenzuebergang mehr ueberstehen muessen. So fuhren wir frueh zum Flughafen, doesten kurz fuer eine stunde nach einem Flugzeugfruehstueck ein und kamen erfrischt ohne belastetes Sitzfleisch noch am Vormittag an, um Nairobi fuer uns erobern zu koennen.

Bezueglich der Unterkunft haben wir uns fuer etwas ungewoehnliches entschieden; couchsurfing.
Im vorhinein kontaktierten wir uns beherbergungswillige Menschen via Interentplattform und hofften auf sich nicht geanderte Gemueter wenn wir erstmal angekommen waeren. In der tat boten sich einige vertrauenserweckende Voluntaers-budget-versteher prompt an. Uns wurde eine ausfuerhliche Wegbeschreibung geschickt, um wohlbehalten und nicht mehr als noetig zahlend vom Aeroport in unserem vorlaeufigen zu Hause anzukommen. Mit etwas mulmigen gefuehl, ob auch alles so klappt, wie wir uns das vorstellen, steigen wir in das taxi ein, von dem uns noch greaten wurde: bloss nicht ohne taxigesellschaft, die fahren euch sonst wo hin zwecks Habseligkeitenerleichterung. Es heist nicht um sonst Nairobbery. Aber unbesiegbar wie wir uns waehnen, wissen wir, dass sowas natuerlich immer nur den anderen passiert .
Wir behielten recht.

So warmherzig und unkompliziert kann man nicht vom besten noch-so-viele-sterne-hotel empfangen werden, wie unsere Amerikanischen Gastgeberinnen uns willkommen hiessen. Wir wurden herumgefuehrt, alles wurde auch als das unsrige bezeichnet, wir konnten unser Glueck kaum fassen, stutzten zuerst, warfen uns verstohlene Blicke zu a la: wo ist der Haken?
Doch so blieb es. Durch deren Ortskundigkeit und Hilfsbereitschaft sparten wir Geld, Zeit und Frust. Direkt nach unserer Ankunft fuehlten wir uns dank der entspannten Reiseform auch imstande eines ihrer Projekte zu besuchen, so kamen wir in Bezirke Nairobis, die wir ohne Hilfe niemals auch nur in Betracht gezogen haetten.

Wir kehren Heim nach den ersten spanennden impressionen einer Gegend, die so ganz anders als das ruhige Rwanda ist. Ueber das Wochenende, genau zu unserem Besuch sollten abends noch freunde kommen. volles Haus, internationals Aufgebot vertretener Laender, interkulturelle Gespraechsthemen, selber Humor, einhelliges Einvernehmen. Wir trinken den gleichen (auch als lokale Spezialitaet verstandenen) suesse Tee wie bei uns, dazu frisch gebackene Zimtrollen nach amerikanischem Grossmutterrezept .

Abends rollten wir uns auf den uns zur verfuegung gestellten matratzen zusammen und sannen ueber den ersten schon so voll an Impressionen erlebten tag nach., darueber, wie froh wir ueber unsere Reiseentscheidung waren.

Dienstag, 23. März 2010

Katzenexekution

Hallo ihr Lieben

die letzte Geschichte aus dem alten Haus moechte ich euch kurz praesentieren

Es war einmal an einem Nachmittag nach harter Arbeit, als ich Heimkehrte. Vor meiner tuer lag eine katze, ein schoenes Tier, elegant und anmutig mit schoenem einfarbig grauem Fell. Aus irgendeinem Grund jedoch fluechtete es nicht, sondern beschraenkte sich darauf mich bewegungslos anzufauchen. Beim naeherkommen bemerkte ich, dass es verletzt war, es sah so aus als haette jemandem ihm einen Tritt auf das Hinterteil verpasst, sodass es erfolglos auf dem glatten Untergrund mit den Vorderpfoten ruderte.

etwas hilflos wendete ich mich an Nadine, unsere rwandische Mama sozusagen, da ich mir einen wertvollen durch Erfahrung erworbenen Tipp erhoffte. sie wiederrum rief jemand anderes, der relativ ungeruehrt mit einem Mop, etwas Schwung und Hebelkraft das arme Tier durch die Luft segeln liess, sodass es etwas abseits landete. Das war ihm noch nicht weit genug, also noch einige weitere Schleuderer.

Ich konnte es nicht fassen. Unglaeubig zeigte ich Jonas was gerade passiert war, wo die Katze lag. Das sahen zufaellig einige kinder, dass auf dem Rasen scheinbar etwas aufmerksamkeitswuerdiges zu finden war. Als wir uns schliesslich etwas entfernten, stuermten die Kinder auf das Tier zu.

In Deutschland haette man Kinderreaktionen a la oooooh ist die suess, wir muessen der helfen, mama darf ich büüüüüüüütteeeee erwartet. Zu unserem entsetzen geschah aber etwas ganz anderes, es bewaffnete sich naemlich jedes der Kinder mit irgendetwas besonders stumpfen, um mit geworfenen Steinen, peitschenden Aesten oder plaettenden Felsbrocken der Katze ein besonders schmerzhaftes Maertyrium zu bereiten.

Wir scheuchten die Kinder weg, damit das Tier in Frieden ableben koenne, doch immer wenn wir den Schauplatz der Exekution verliessen, sprang die johlende Meute vergnuegt auf ihre abendliche Fernseh-ersatz Unterhaltung.
Ein brutales happy-gathering mit Blutrausch-faktor.
Mir wurde schlecht

Mir kam die Idee einer gruppenwirksamen Erziehungsmassnahme. Ich schnappte mir eins der Kinder, einen besonders fleissigen Quaeler, packte ihn an den Knoecheln und
hielt ihn mit dem Kopf nach unten ueber das in den todeskampf verstrickte Tier, was in richtung Gesicht wuetend Hiebe setzte ohne ihn zu erreichen.
Ich dachte diese lektion nach dem Motto: stell dir vor da kommt ein Riese.. und der anschliessenden Moral von was du nicht willst was man dir tut.. wuerde funktionieren, doch zeigten sich alle beteiligten unbeeindruckt. Kaum wieder abgesetzt ging das bunte Treiben weiter.

Wir zogen resignierend ab, darueber nachdenkend, ob sich an dem Verhalten der Kinder einer Gesellschaft der Grad der Zivilisation abmessen laesst, ob uns das vorhandene Gewaltpotenzial wirklich wundert.

Freitag, 19. März 2010

Boeses Erwachen

Hallo ihr Lieben

Es gibt einen besonders ausschlaggebenden Grund warum ich ausgezogen bin, den ich kurz schildern moechte.

Es ging mir nicht besonders gut, ich legte mich ins Bett und liess die Tuer unabgeschlossen, da ich eine einmal gemachte schlechte Erfahrung nicht wiederholen wollte, bei der ich hektisch an der Tuer ruettelnd mit dem schwer sperrenden Schloss nicht zurecht kam in einer Situation, die blitzartiges Verlassen meines Wohnraumes erfordert haette. Dumpf sank ich also in den Schlaf, wobei rythmisch haemmernde Kopfschmerzern mich in einen traumlosen Zustand versetzten.

Ich wache auf. Ein Geraeusch ist in meinem Zimmer. Schwer erhebe ich meinen Kopf und schaue in den Raum. Ich blinzel Zehn Zentimeter bis zum Moskitonetz und dahinter nochmal zehn zentimeter entfernt, schaut mich jemand an. Komisch, denke ich, wenn das mein Rwandischer Freund ist, dann haette er doch mal gruessen koennen, wo er schon inmitten meiner schwerlich noch extremer unzuberuecksichtigen Privatsphaere steht. Wenigstens ist er leise.

Ich ziehe das Netz hoch und blicke jemandem ins Gesicht, den ich in meinem ganzen Leben noch nie gesehen habe. Was dann passiert, habe ich eher als eine Art Foto-aktions-Reihe in Erinnerung, wie aus der Sicht einer dritten Person, bei der ich mich in Unterhosen und Rage auf den Eindringling stuerze.
In einem Mal entlaedt sich naemlich der ganze gesammelte Frust und saemtliche angestaute Wut an diesem betrunkenen Einbrecher, der wohl alle Tueren versucht hatte zu oeffnen um dann schliesslich bei einem Privatsphaeren-ueberempfindlichen Bewusstlos-scheinenden im Raum zu stehen, der zufaellig ich war. Wie eine Mutter uebernatuerliche Kraefte entwickelt, wenn ihre Kinder unter einem Baum eingeklemmt werden, legt sich bei mir der Schalter in dem Moment um, als meine letzte Bastion des Rueckzugs, mein Kleinod angegriffen wird. Ich bin das in die Ecke gedraengte Karnickel von neulich.
Nur Staerker.

Kurz bevor ich ihm meine non-verbale Aussage entgegenschleudere, faselt er auch noch irgendwas von Tieren, er versucht allen ernstes mir weisszumachen, dass er seine Ziege in meinem Gemach verloren habe. Das ich mich dadurch zusaetlich zu meiner Rage auch noch verspottet fuehle, kommt ihm nicht sonderlich zugute.
Ich lege ihm eindringlich ans Herz sich alsbald aus meinem Heiligtum zu verlieren und komplimentiere ihn situationsgerecht hinaus. Es muss von aussen geradezu albern ausgesehen haben, als ich ihn mit einer Hand am Nacken ueber den Graben schleudere und er tatsaechlich ein ganzes Stueck durch die Luft segelt um unsanft zu landen.
Ich schreie irgendwas in blindem Hass hinter dem sich aufrappelnden und warscheinlich sein Glueck kaum fassenden Einbrecher hinterher, waehrend dieser, ohne Lynchjustiz zu erfahren, tuermt.

Ich lege mich ins Bett und versuche mich zu beruhigen. Mit sinkendem Herzschlag und dem Ruecktausch Adrenalin-Zurechnungsfaehigkeit gehe ich diese so unwirklich scheinende Situation im Kopf nocheinmal durch. Entspannung kehrt ein.
Moment. Wer sagt denn, dass ich nicht aufgewacht bin, wo er den Raum gerade verlassen wollte? Wenn er laengst alles hat was er will? Wieder spuere ich das Blut wallen, schaue mich um.
Wo ist mein Handy? Weg! Aus mir bricht ein Urschrei der Verzweiflung und Rachegefuehls hervor. Ich springe in meine Sachen und renne los. Ich weiss keine genaue Richtung und stuerme deswegen durch das Viertel. Was hat er eigentlich an? Mir wird klar, dass er vor mir stehen kann, ohne dass ich ihn eindeutig identifizieren koennte. Er hatte ein orangefarbenes Oberteil an.

Die erste Person die ich frage bietet sich spontan wiederstandslos an sich von mir durchsuchen zu lassen. Ich kann mir vorstellen einen sehr wilden und wahnsinnigen Eindruck gemacht zu haben; die zweite Person greifft sofort in ihre Tasche nachdem sie mich nicht versteht und zueckt ihre Brieftasche um mir ihr gesamtes Bargeld darzureichen. Ich lasse ihn los, bemerke dass er selbst allem anschein nach zu glauben scheint ueberfallen zu werden.

Kochend und erfolglos kehre ich Heim, vefluche die Welt.

Ergo: Handy weg, bis heute, der Umzug war mir auf einmal sehr wichtig und ich versuche die ganze Episode unter der Uerberschrift :ich bin ein ueberreagierender Materialist abzuhaken.
Dennoch frage ich mich, was passiert waere, wenn er bewaffnet gewesen waere, oder ich eine meiner Voluntaer-Freundinnen und er nicht auf Geld aus?