Es gibt zwei Stationen im Urwald-areal, wir fuhren gleich ganz durch bis fast zur Grenze am Kongo, um dort die laengste Tour zu machen, die auch am zeitaufwaendigsten waere. Wir kommen an, gluecklich und erschoepft, zu allem bereit, bis uns erklaert wird, dass es schon zu spaet sei, die Wanderung koenne aufgrund bald eintretender Dunkelheit (durchgaengig sechs uhr abends in Rwanda) nicht mehr durchgefuehrt werden. Aber in der Mittelstation (wohlgemerkt 1h zurueck) gaebe es kleinere Touren.
Sack und pack geschultert, an den Strassenrand gestellt, Lift bekommen. Von zwei wilden Kongolesen in komischer Szenerie, denn ein deutscher DHL-wagen hielt fuer uns an, beladen mit Paketen, die eine wahnwitzige Irrfahrt schon hinter sich haben ueber alle moeglichen Arten von Abkuerzungen, der Fahrer ausgestattet mit passendem Polohemd und eher orientalisch wirkender Kopfbedeckung in passenden Farben. Zwischendurch mussten wir anhalten um schaulustig einem Unfall beizuwohnen. Der Fernseher-ersatz auf der Urwaldstrasse. Unglaeubig schauen wir einige hundert Meter einen Abgrund herunter, ein Tanklaster hatte eine riesige Schneise in das Gestruepp gerissen. Mulmig wird mir klar, dass hier hinter jeder Hecke so der Unfallort aussieht, kein Wunder bei schliddriger Fahrbahn und Gegenverkehr, der geanu wie die eigenen Fahrer nach dem Kurven-Motto faehrt: sooo warscheinlich ist das garnicht dass genau jetzt einer um die Ecke kommt, ich schneide mal gerade eben die Kurve.
Zurueck zum Unfall.
Hatte der etwa Benzin geladen?
Nein, keine Angst, nur Cherosin!
Na dann !?!
Wir werden abgesetzt und finden keine Rezeption. Von einem angestellten, (der den Wald zu fegen scheint) werden wir auf ein Zelt verwiesen. Dieses Provisorium wird mit Solarplatten, ueber die man druebersteigen muss, mit Strom versorgt. Drinnen duerfen wir gemuetlich platz nehmen, neben Funkstation und Tresor, der so garnicht in das Bild passen will.
Wir hoeren zu unserem Schrecken eine Info schon zum zweiten mal diesen Tag: es wird langsam spaet, man muesse vorsich..
Wir gehen sofort los!! Entscheiden wir
Sicherheitshalber nehmen wir die kuerzeste Strecke, von nichteinmal zwei Kilometern, die als der Farnweg gepriesen wird. Machbar, entscheiden wir, legen unsere Taschen ab, lassen uns Wanderstoecke geben und traben umgehend los.
Die Landschaft ist atemberaubend schoen. Ueber Moosbewachsene Wege von hohen Baumen gesaumt, folgen wir unserem guide. Boegen aus Wurzeln und Lianen lassen uns durch gruene Urwald-Tore schreiten. Ich habe wahrlich den Eindruck den Palast der Mutter Natur zu betreten. Tempelgleich ist die Stille und verwundert bemerke ich, wie sich ein Knoten in meiner Brust loest, von dem ich nicht bemerkt hatte, dass er im Laufe des manchmal stressigen Stadtlebes entstanden war. Tief atme ich die saubere Luft ein und entspanne mich beim Wandern.
Dennoch sind wir ordentlich am Schwitzen, der Kreislauf hat alle Muehe nicht zu kollabieren. Da wir weder hasten, noch reden, fragte ich verwundert, wie hoch das Areal denn gelegen sei.
2500 Hoehenmeter- mir wird einiges klar.
Ich will auf die Uhr- mein Handy- schauen fuer die Zeiteinteilung. Es ist nicht da. Mir faellt meine zugegebenermassen haengende Sitzposition im Auto ein und dunkel vorahnend betaste ich die Weiten Taschen meiner ausgelutschten Leinenhose. Weg. Definitiv. Wenn ich mich jetzt aufrege, denke ich mir, dann habe ich den augenblicklichen Schaden des Ueberreagierens und, sollte es tatsaechlich wieder auftauchen, in der Retropspektive den Aerger ueber die Tatsache, dass ich mich umsonst aufgeregt habe.
Aktzeptanz, waere jetzt das beste, konstatiere ich, besehe mir die Landschaft und lasse mir den Moment nicht verderben, geniesse die Tour zu Ende. Spaeter rufen wir mein Telefon an- der Fahrer unseres Lifts geht ran. Er moechte es mir gerne wiedergeben. Laechelnd denke ich daran, wie wir netten smalltalk gehalten hatten, ich meinem Kumpel dazu angehalten hatte sich nicht nur stumm hinten in den Wagen zu hocken, sondern freundlich zu kommunizieren und wie ich mich schliesslich mit Kaugummis eher scherzhaft bedankt hatte, ueber die er sich aber gefreut hatte.
Nach der Wanderung stehen wir vor der Qual der Wahl: erst essen oder erst das Zelt aufbauen? Das Risiko eingehen nichts essbares mehr kaufen zu koennen, oder im Dunkeln im Urwald das Zelt aufzubauen? Wir stuermen den kleinen Shop und kaufen uns ein Festmahl zusammen. Stirnrunzelnd besehen wir unsere Tafel: Amandazi, soll heissen frittierter suesser Brotteig und kulinarische Garantie das gesamte restliche Wochenende nicht mehr in Verlegenheit geraten zu muessen in unpassender Situation nach sanitaerer Entspannungseinrichtung zu suchen, trockene Butterkekse, die konsequente Weiterfuehrung dieser Grundidee, dazu uebermaessig gesuesster schwarzer Tee mit Milchpulver als Abrundung des Leitmotivs, abschliessend die Kontrastierung und diuretische Wiederherstellung der Ausgangssituation durch je eine aus Thailand importierte eher weniger vertrauenserweckende Dose Sardinen in langweiliger Tomatensosse.
Durch die Reichhaltigkeit unseres Abendbrotes und eingetretene Erschoepfung motiviert, schlemmten wir bis zur Daemmerung drauf los und assen begeistert fast die Haelfte. Die reichte, um uns in den Zustand ungewollter Bewegugsunfaehigkeit zu versetzen. Die andere Haelfte war als energiespendendes Fruehstueck fuer den naechsten Morgen gedacht.
Dann sahen wir uns mit dem Problem des Campens bei Nacht konfrontiert.
Freitag, 19. Februar 2010
Mittwoch, 17. Februar 2010
Halbjaehriges I
Tag meine Lieben
am sechsten Februar war ich ziemlich genau ein Jahr hier. Ich bin mir nicht sicher, ob ich guten Gewissens sagen kann, das die Zeit schneller vergangen sei als man denken wuerde, denn ich erinnere mich an einige Momente, wo ich nur dachte O mann, und das ganze ein jahr lang? Ich hatte euch daran auch teilhaben lassen, ihr wisst was ich meine.
Zweifellos hatte ich mir etwas verdient, mir ueberlegt mich selbst zu belohnen und ein Wochenende im Nyungwe Nationalpark zu verbringen. Der liegt im sued-westen und ist weniger fuer seine Tiere als fuer seine bestechende Botanik bekannt.
Urspruenglich wollten wir, ein Freund und ich, schon am Freitag nach Butare aufbrechen, eine groessere Stadt auf dem Weg, dort bei Freiwilligen uebernachten und am naechsten Morgen in aller Fruehe weiterfahren. So haetten wir die Fahrt von ueber sechs Stunden verteilt und haetten ausserdem das Nachtleben in bessagter Stadt noch abgegriffen, was durchaus lohnenswert ist, da es sich um eine Studentenstadt handelt, die besonders attraktiv durch die hohe Zahl an einem gleichgesinnten Leuten ist, die am Wochenende uns ganz aehnlich ihren Stress abtanzen wollen.
Das war der Plan. Er klappte nicht. Spontan blieb ich in Kigali um auf eine Privatparty zu gehen, die versprach etwas aktuellere europaeische Musik zu spielen. Nach einem halben Jahr tekkno aus den neunzigern war der Reiz einfach zu gross.
Der weitere Verlauf ist dann etwas aergerlich. Ich dachte mir, es sei kein Problem den allerersten Bus von Kigali aus zu nehemen, ich muesste nur frueh genug aufstehen und zuegig losgehen. Sicherheitshalber packte ich noch nach meiner abendlichen Rueckkehr die Tasche. Bestandaufnahme: Wenn ich jetzt sofort ins Bett gehe und innerhalb von zwei Minuten einschlafe, dann habe ich noch fast genau eine dreiviertelstunde Schlaf. Kein Problem dachte ich, ruhe ich mich halt nur kurz aus, und ueberhaupt, aufstehen kann ich ja ganz gut.
Ich wachte auf, weil mein Handy klingelte. es war nicht der Wecker, sondern mein Kumpel in Butare. Ich sollte dort dazusteigen. Wo bist du? ich blickte mich kurz um: genau, das mir vertraute Moskitonetz, mein abfahrtbereiter Rucksack, ich gucke an mir herunter: Hemd?
Mist, ich bin weder im Bus noch angemessen angezogen noch auf dem besten Weg mir mein eigenes Geschenk zu goennen.
In Rekordzeit kleide ich mich um, lasse die Sachen liegen, die ich mir bereit gelegt hatte ums sie in die Tasche noch in der richtigen Reihenfolge zu stopfen, haste hinaus, stolper ueber die letzten uebrigbleiber und nachhause-kommer, renne zur Strasse, fahre in die Stadt, komme am Ticketschalter an. Man versichert mir, dass die Fahrt verfallen sei, ich mich umsonst abgehetzt haette, ausser ich wuerde den Bus, der innerhalb Kigalis mit etwas Glueck noch rumgurkt, einholen und somit meine Fahrt ins Glueck und den Urlaub noch einfordern.
Im Tiefflug durch die Stadt um festzustellen: zu spaet. Bloooooss nicht aufregen sage ich mir und kaufe mir ein Ticket zur naechstmoeglichen Abfahrt. Zerzaust setze mich in eine kleine Allimenatation und fruehstuecke eine Ikivuguto (Mischung aus Buttermilch und Naturjoghurt) mit Sambusa (fleischgefuellte Teigtaschen). Endlich im Bus. Ich sitze ganz vorne und doese weg, einerseits aus erschoepfung, andererseits, weil ich einfach die Augen vor dem Halsbrecherischem Fahrstil meines fahrers verschliessen will.
Butare, Freund steigt ein, gesteht umgehend, dass er unseren Proviant hat liegen lassen. Halb so schlimm, ein ganzes Wochendende durch den Jungel wandern ohne was zwischen die Zaehne zu bekommen, verspricht interessant zu werden.
am sechsten Februar war ich ziemlich genau ein Jahr hier. Ich bin mir nicht sicher, ob ich guten Gewissens sagen kann, das die Zeit schneller vergangen sei als man denken wuerde, denn ich erinnere mich an einige Momente, wo ich nur dachte O mann, und das ganze ein jahr lang? Ich hatte euch daran auch teilhaben lassen, ihr wisst was ich meine.
Zweifellos hatte ich mir etwas verdient, mir ueberlegt mich selbst zu belohnen und ein Wochenende im Nyungwe Nationalpark zu verbringen. Der liegt im sued-westen und ist weniger fuer seine Tiere als fuer seine bestechende Botanik bekannt.
Urspruenglich wollten wir, ein Freund und ich, schon am Freitag nach Butare aufbrechen, eine groessere Stadt auf dem Weg, dort bei Freiwilligen uebernachten und am naechsten Morgen in aller Fruehe weiterfahren. So haetten wir die Fahrt von ueber sechs Stunden verteilt und haetten ausserdem das Nachtleben in bessagter Stadt noch abgegriffen, was durchaus lohnenswert ist, da es sich um eine Studentenstadt handelt, die besonders attraktiv durch die hohe Zahl an einem gleichgesinnten Leuten ist, die am Wochenende uns ganz aehnlich ihren Stress abtanzen wollen.
Das war der Plan. Er klappte nicht. Spontan blieb ich in Kigali um auf eine Privatparty zu gehen, die versprach etwas aktuellere europaeische Musik zu spielen. Nach einem halben Jahr tekkno aus den neunzigern war der Reiz einfach zu gross.
Der weitere Verlauf ist dann etwas aergerlich. Ich dachte mir, es sei kein Problem den allerersten Bus von Kigali aus zu nehemen, ich muesste nur frueh genug aufstehen und zuegig losgehen. Sicherheitshalber packte ich noch nach meiner abendlichen Rueckkehr die Tasche. Bestandaufnahme: Wenn ich jetzt sofort ins Bett gehe und innerhalb von zwei Minuten einschlafe, dann habe ich noch fast genau eine dreiviertelstunde Schlaf. Kein Problem dachte ich, ruhe ich mich halt nur kurz aus, und ueberhaupt, aufstehen kann ich ja ganz gut.
Ich wachte auf, weil mein Handy klingelte. es war nicht der Wecker, sondern mein Kumpel in Butare. Ich sollte dort dazusteigen. Wo bist du? ich blickte mich kurz um: genau, das mir vertraute Moskitonetz, mein abfahrtbereiter Rucksack, ich gucke an mir herunter: Hemd?
Mist, ich bin weder im Bus noch angemessen angezogen noch auf dem besten Weg mir mein eigenes Geschenk zu goennen.
In Rekordzeit kleide ich mich um, lasse die Sachen liegen, die ich mir bereit gelegt hatte ums sie in die Tasche noch in der richtigen Reihenfolge zu stopfen, haste hinaus, stolper ueber die letzten uebrigbleiber und nachhause-kommer, renne zur Strasse, fahre in die Stadt, komme am Ticketschalter an. Man versichert mir, dass die Fahrt verfallen sei, ich mich umsonst abgehetzt haette, ausser ich wuerde den Bus, der innerhalb Kigalis mit etwas Glueck noch rumgurkt, einholen und somit meine Fahrt ins Glueck und den Urlaub noch einfordern.
Im Tiefflug durch die Stadt um festzustellen: zu spaet. Bloooooss nicht aufregen sage ich mir und kaufe mir ein Ticket zur naechstmoeglichen Abfahrt. Zerzaust setze mich in eine kleine Allimenatation und fruehstuecke eine Ikivuguto (Mischung aus Buttermilch und Naturjoghurt) mit Sambusa (fleischgefuellte Teigtaschen). Endlich im Bus. Ich sitze ganz vorne und doese weg, einerseits aus erschoepfung, andererseits, weil ich einfach die Augen vor dem Halsbrecherischem Fahrstil meines fahrers verschliessen will.
Butare, Freund steigt ein, gesteht umgehend, dass er unseren Proviant hat liegen lassen. Halb so schlimm, ein ganzes Wochendende durch den Jungel wandern ohne was zwischen die Zaehne zu bekommen, verspricht interessant zu werden.
Samstag, 13. Februar 2010
Sauna II
Halbzeit. Wir duschen uns lauwarm und setzen uns in den Abkühlraum zum pöbelnden Fernseher zur Entspannung. Selbstbedienung mit schwarzem gezuckertem Tee zur Aufrechterhaltung des Kreislaufs.
Während wir uns unterhalten fällt plötzlich der Strom aus. Ich bekomme Panik. Eher ein Gefühlsgemisch aus verwundertem Unbehagen und apokalyptischer Angst, denn die Tür wird aufgerissen, Licht wird mir jäh ins Gesicht gestrahlt von hektischen, besohlten Invasoren im Barfußbereich ausgehend, und das akkustische Äquivalent eines Salven auf mich abfeuernden Sturzkampfbombers kracht durch das geschlossene Fenster; erst kurz bevor ich mich bäuchlings hinschmiss um nackt zur Tür zu robben, begriff ich jedoch die Situation.
Die Zwei Sekunden ohne Beschallung der Glotze, ausgelöst durch den Stromausfall, die eintretende Dunkelheit, hatten gereicht, um meinen Puls auf entspannte dreissig Schläge pro Sekunde zu senken. Als jedoch das uns bestürmende Personal des Wohlfühltempels tueraufreissenderweise übermotiviert versuchte uns zu beruhigen und somit das Gegenteil bewirkte, versäumte ich offenbar, dass ich mich nicht in Lebensgefahr, sondern in einer der wenigen Kigalesischen Einrichtungen mit Notfallgenerator befand.
Ich hatte nicht gewusst wie schnell Botenstoffe, zum Beispiel Adrenalin, ausgeschüttet werden können und anfangen zu wirken, bis zu eben jenem Zeitpunkt, wo ich mich im Bruchteil einer Sekunde unter meinen durch häufige Frequentierung tiefergelegten Plastikstuhl gefaltet hatte, mit einem terrorisiertem Kaninchen-gedraengt-in-Ecke-Blick hervorstierte und ein Herztrommelwirbel von gefühlten dreihundert Penetrationen pro Minute mein Herz in der Kehle Schlagen liess.
Die restliche Zeit hätten wir uns lieber Kerzen gewünscht anstatt eines Generators, vielleicht wäre es dann möglich gewesen, das Wort seines Sitznachbarn oder das Eigene zu verstehen. Man lernt halt sich zu arrangieren.
Abschlussmassage. Entspannt und durchgeknetet komme ich aus der Kabine, die von innen verschlossen war. Im Raum meiner vorangegangenen Schlachtfelderfahrung warten die Jungs auf mich.
"UND?" sie machten einen leicht verstörten Eindruck
"Was soll sein?" fragte ich verwundert
"Na ja Massage?!? Wie gings aus?"
" Aufgestanden. Angezogen. Raum verlassen, normal sollte man meinen?"
Anscheinend nicht, wie sich herausstellen sollte, denn beide wurden mit der Hand der Masseuse in ihrem Schritt gefragt, ob sie eine "Verlängerung" wünschen würden. Ich wurde offensichtlich garnicht erst gefragt, weil ich als letztes an der Reihe war und meine Vorgänger mit ungläubig-verstörten Blicken und gestammelten Antworten die Guppentendenz eindeutig klargestellt hatten.
"Nie wieder Massage in geschlossenen Räumen" fiepst der eine
"Ich fühle mich schmutzig und unentspannt" wimmert der andere"
"Ab jetzt nur noch vor allen auf'm Boden" schließt der erste
"Also ich fand es klasse Jungs" beendete ich
Während wir uns unterhalten fällt plötzlich der Strom aus. Ich bekomme Panik. Eher ein Gefühlsgemisch aus verwundertem Unbehagen und apokalyptischer Angst, denn die Tür wird aufgerissen, Licht wird mir jäh ins Gesicht gestrahlt von hektischen, besohlten Invasoren im Barfußbereich ausgehend, und das akkustische Äquivalent eines Salven auf mich abfeuernden Sturzkampfbombers kracht durch das geschlossene Fenster; erst kurz bevor ich mich bäuchlings hinschmiss um nackt zur Tür zu robben, begriff ich jedoch die Situation.
Die Zwei Sekunden ohne Beschallung der Glotze, ausgelöst durch den Stromausfall, die eintretende Dunkelheit, hatten gereicht, um meinen Puls auf entspannte dreissig Schläge pro Sekunde zu senken. Als jedoch das uns bestürmende Personal des Wohlfühltempels tueraufreissenderweise übermotiviert versuchte uns zu beruhigen und somit das Gegenteil bewirkte, versäumte ich offenbar, dass ich mich nicht in Lebensgefahr, sondern in einer der wenigen Kigalesischen Einrichtungen mit Notfallgenerator befand.
Ich hatte nicht gewusst wie schnell Botenstoffe, zum Beispiel Adrenalin, ausgeschüttet werden können und anfangen zu wirken, bis zu eben jenem Zeitpunkt, wo ich mich im Bruchteil einer Sekunde unter meinen durch häufige Frequentierung tiefergelegten Plastikstuhl gefaltet hatte, mit einem terrorisiertem Kaninchen-gedraengt-in-Ecke-Blick hervorstierte und ein Herztrommelwirbel von gefühlten dreihundert Penetrationen pro Minute mein Herz in der Kehle Schlagen liess.
Die restliche Zeit hätten wir uns lieber Kerzen gewünscht anstatt eines Generators, vielleicht wäre es dann möglich gewesen, das Wort seines Sitznachbarn oder das Eigene zu verstehen. Man lernt halt sich zu arrangieren.
Abschlussmassage. Entspannt und durchgeknetet komme ich aus der Kabine, die von innen verschlossen war. Im Raum meiner vorangegangenen Schlachtfelderfahrung warten die Jungs auf mich.
"UND?" sie machten einen leicht verstörten Eindruck
"Was soll sein?" fragte ich verwundert
"Na ja Massage?!? Wie gings aus?"
" Aufgestanden. Angezogen. Raum verlassen, normal sollte man meinen?"
Anscheinend nicht, wie sich herausstellen sollte, denn beide wurden mit der Hand der Masseuse in ihrem Schritt gefragt, ob sie eine "Verlängerung" wünschen würden. Ich wurde offensichtlich garnicht erst gefragt, weil ich als letztes an der Reihe war und meine Vorgänger mit ungläubig-verstörten Blicken und gestammelten Antworten die Guppentendenz eindeutig klargestellt hatten.
"Nie wieder Massage in geschlossenen Räumen" fiepst der eine
"Ich fühle mich schmutzig und unentspannt" wimmert der andere"
"Ab jetzt nur noch vor allen auf'm Boden" schließt der erste
"Also ich fand es klasse Jungs" beendete ich
Dienstag, 9. Februar 2010
Sauna I
Hallo ihr Lieben
Mit einem Handtuch (Stoff in typischem rwandischem Muster gehalten) und Einheitslatschen, Neonfarben, betreten wir den Saunabereich. Ein ungewohnter Anblick bot sich uns:
In dem dunkelsten halbdunkel, dass man sich vorstellen kann, glänzen die Holzbänke schweissdurchtränkt im Licht, bei reflektionslosen Flächen vermuten wir Mitbenutzer. Das Licht dringt aus einer schwarzlackierten Glühbirne an der Decke, besser gesagt aus der Stelle, wo die Farbe abgeplatzt ist. Es ist unglaublich heiss und die Luftfeuchtigkeit ist maximal, die Luft ist so gesättigt, das ich erst glaubte die Tür nicht aufgemacht zu haben, oder gegen eine Glaswand gelaufen sei.
Wir treten ein. Und treten fast drauf. Denn am Boden erblickten wir ein bizarres Gliedmaßen- Gewühl. Zwei Männer räkelten sich am Boden, der eine lag auf dem Stöffchen, dass wir um die Hüfte gebunden haben, auf dem gefliesten Boden, nackt, der andere auf seinem Hintern und fummelt an ihm herum. Wir stutzen, überlegen kurz ob wir hier richtig sind. Waren wir. Wir wurden schlicht Zeugen einer Rwandischen Massage, wobei die Szenerie (wie ich einmal mehr erstaunt feststellte) eher antik wirkte, die "Zuschauer" logierten amphitheatergleich in aufsteigenden Reihen und sahen dem Treiben in der Arena zu. Mathiacus setzte sich dazu.
Komischerweise präferierten alle nach uns kommenden Gäste sich in die gegenüberliegende Reihe zu quetschen, anstatt in unserer Nähe gemeinsam mit uns zu schwitzen- Apartheid selbst gemacht. Ich kam mir vor wie einer von wenigen Auswärtsfans bei einem komplett ausverkauften Heimwärtsspiel der gegnerischen Mannschaft, etwas verloren, aber andererseits froh um den Umstand nicht mit Bier bzw. Schweiss bespritzt zu werden und versehentliche oder mutwillige platzschaffungsintentionierte Ellenbogenstöße des Sitznachbarn zu kassieren.
Da sass ich nun auf dem schwarzen Holz, welches vermutlich nie die privilegierten Konsequenzen eines >lassen sie bitte kein Schweiss auf das Holz kommen<-Schild erfuhr, ursprünglich hell war und fing pflichtschuldig mit dem Schwitzen an. Vergeblich suchte ich erhitzte Steine, Aufgusskessel und Schöpfkelle zu erspähen, doch der Saunameister war allgegenwärtig. schliesslich war dieser für den Tee, bzw. den Abwasch, sowie die Sauberkeit zuständig, massierte nebenher die Gäste inclusive Gesicht, wenn er nicht gerade den Lappen füs bodenwischen auswrang und wuselte somit stets umher. Die Gruppenerfahrungswirksame Massage vor allen, den rwandisch untypischen Exhibitionismus verstanden wir in dem Moment noch nicht.
Die Technik des Erhitzens bestach durch Simplizität: in einem riesigen Topf brodelte das Wasser und sorgte so für genügend Humidität, von Zeit zu Zeit wurden frische Eukalyptusblätter hinzugefügt, dieser Sut wiederum sorgte für den guten Geruch.
Mit einem Handtuch (Stoff in typischem rwandischem Muster gehalten) und Einheitslatschen, Neonfarben, betreten wir den Saunabereich. Ein ungewohnter Anblick bot sich uns:
In dem dunkelsten halbdunkel, dass man sich vorstellen kann, glänzen die Holzbänke schweissdurchtränkt im Licht, bei reflektionslosen Flächen vermuten wir Mitbenutzer. Das Licht dringt aus einer schwarzlackierten Glühbirne an der Decke, besser gesagt aus der Stelle, wo die Farbe abgeplatzt ist. Es ist unglaublich heiss und die Luftfeuchtigkeit ist maximal, die Luft ist so gesättigt, das ich erst glaubte die Tür nicht aufgemacht zu haben, oder gegen eine Glaswand gelaufen sei.
Wir treten ein. Und treten fast drauf. Denn am Boden erblickten wir ein bizarres Gliedmaßen- Gewühl. Zwei Männer räkelten sich am Boden, der eine lag auf dem Stöffchen, dass wir um die Hüfte gebunden haben, auf dem gefliesten Boden, nackt, der andere auf seinem Hintern und fummelt an ihm herum. Wir stutzen, überlegen kurz ob wir hier richtig sind. Waren wir. Wir wurden schlicht Zeugen einer Rwandischen Massage, wobei die Szenerie (wie ich einmal mehr erstaunt feststellte) eher antik wirkte, die "Zuschauer" logierten amphitheatergleich in aufsteigenden Reihen und sahen dem Treiben in der Arena zu. Mathiacus setzte sich dazu.
Komischerweise präferierten alle nach uns kommenden Gäste sich in die gegenüberliegende Reihe zu quetschen, anstatt in unserer Nähe gemeinsam mit uns zu schwitzen- Apartheid selbst gemacht. Ich kam mir vor wie einer von wenigen Auswärtsfans bei einem komplett ausverkauften Heimwärtsspiel der gegnerischen Mannschaft, etwas verloren, aber andererseits froh um den Umstand nicht mit Bier bzw. Schweiss bespritzt zu werden und versehentliche oder mutwillige platzschaffungsintentionierte Ellenbogenstöße des Sitznachbarn zu kassieren.
Da sass ich nun auf dem schwarzen Holz, welches vermutlich nie die privilegierten Konsequenzen eines >lassen sie bitte kein Schweiss auf das Holz kommen<-Schild erfuhr, ursprünglich hell war und fing pflichtschuldig mit dem Schwitzen an. Vergeblich suchte ich erhitzte Steine, Aufgusskessel und Schöpfkelle zu erspähen, doch der Saunameister war allgegenwärtig. schliesslich war dieser für den Tee, bzw. den Abwasch, sowie die Sauberkeit zuständig, massierte nebenher die Gäste inclusive Gesicht, wenn er nicht gerade den Lappen füs bodenwischen auswrang und wuselte somit stets umher. Die Gruppenerfahrungswirksame Massage vor allen, den rwandisch untypischen Exhibitionismus verstanden wir in dem Moment noch nicht.
Die Technik des Erhitzens bestach durch Simplizität: in einem riesigen Topf brodelte das Wasser und sorgte so für genügend Humidität, von Zeit zu Zeit wurden frische Eukalyptusblätter hinzugefügt, dieser Sut wiederum sorgte für den guten Geruch.
Freitag, 29. Januar 2010
Apabena
Salut ihr Lieben
Was ist Apabena? Eine der vielen rwandischen Begruessungsformeln, die euch schon vorgehalten wurden? Nein. Es ist der Name unserer Unterkunft, in der wir Freiwilligen zur Zeit wohnen und die dieses Wochenende fluchtartig verlassen wird. Um das zu erklaeren, muss kurz die Wohnungssituation erlaeutert werden.
Wir Voluntaere, und das sind elf Stueck, leben in einer Art Jugendherrberge auf einem offenen Gelaende. Das klingt lustig, allerdings ist der Gedanke von einem halben Jahr Zeltlagerspass ungefaehr so reizvoll wie die Vorstellung seine Lieblingsmahlzeit drei Stunden am Stueck zu essen. Naemlich eher belastend.
In einem Gebaeudekomplex mit zwoelf Zimmern, wobei jeweils immer sechs mit der Rueckseite zur anderen Haelfte gelegen sind, kann das Grundstueck umlaufen werden. Zum Beispiel von uns. Zum Beispiel von Fremden. Die sind deshalb nicht selten auf unserem gelaende anzutreffen, weil dieses guesthouse eigentlich zu einem ganz anderen Zweck als der dauerhaften Belagerung konzipiert wurde, eher zur Wochenendverbringung.
Dazu kommt noch, dass es sich um eine Art Kombinationsunternehmen handelt, mit angeschlossenemn Restaurant, wodurch Fremde eigentlich der Standard sind. Abgeriegelt ist unsere Sphaere somit nicht. Alles ist frei zugaenglich. Vor unseren Zimmern marschieren dann Einheimische, samstagabends oefter auch mal Betrunkene einheimische, entlang und schauen in die Raeume. Und das ist das Kernproblem unseres Dilemmas: die fehlende Privatsphaere. Die Sanitaeranlagen befinden sich im mittleren Durchgang und werden grosszuegig nicht nur von uns Besitzern benutzt, sondern auch vom Klientel des Restaurants. Angebrachte Papierschilder und neuinstallierte Holztore konnten dieses Problem der freien Zugaenglichkeit bisher etwas eindaemmen.
Aber das problem besteht weiterhin und der Vergleich waere der folgende:
Man wacht morgens auf, zieht die Vorhaenge und damit die einzige Barriere zur ausseren Welt zurueck. Man oeffnet die Tuer, kommt aus dem Schlafzimmer in Unterhosen und da sitzt im Flur auf dem Weg zum Badezimmer in der eigenen
Wohnung jemand an einem Holztisch im Weg, du hast ihn noch nie in deinem Leben gesehen und mit erwartungsvollem Blick hofft er darauf, dass du, dein Handtuch aus peinlicher Beruehrtheit, schnell um dich wickelnd, seine ueberschwaengliche
Begruessung erwiederst, waehrend du dich an ihm vorbeizwaengst und schnell in der Dusche verschwindest, die du dir in deiner elfer-WG mit allen teilst, weil die andren drei Duschen ausgefallen sind und seit deiner Ankunft auf Wiederbelebungsmassnahmen hoffen. Nach einem halben Jahr Routine.
Der Gast von Einem ist auf grund mangelnder raeumlicher Ausweichmoeglichkeiten sogleich immer der von allen. Und man hat schlicht keine Lust gezwungenermassen mit fremden oder dir nicht so wichtigen leuten Anstandsgespraeche zu fuehren, nur weil er da halt gerade sitzt, man selbst leider das Beduerfnis verspuerte, sein Zimmer kurz fuer einen Toilettengang zu verlassen und nun ueber ihn stolpert.
Die Toleranz fuer eine andere Kultur, die eventuell weniger privatsphaerenbezogen agiert, hat nichts damit zu tun, wie man sich fuehlt, wenn man sein Privatgemach abschliessen muss, um kurz Wasser aus der Kueche zu holen. Koennt ihr euch
in den Gedanken versetzen eueren Raum zu verrammeln, weil ihr mal eben in das nebenzimmer geht? Eben.
Ich luefte gerne. Dazu habe ich mir ein Moskitonetz in den Rahmen gehaengt, um mit offener Tuer leben zu koennen, ohne von den Blutsaugern gefressen zu werden. Letztens liess ich die Tuer unabgeschlossen. Jonas und ich sassen danach um die Ecke
und genossen die Mittagssonne. Unser Gespraech unterbrechend fragte er mich mit dem Finger auf einen kleinen Jungen vor uns zeigend, der etwas hochielt:
"was hat der da? warte, IST DAS DEIN HANDY?"
Tatsaechlich war er einfach eingetreten, bediente sich und versuchte dann mit Zeichensprache uns zu verstehen zu geben, dass ich nun in Form von Amafaranga (Geld), ein Telefon-Loesegeld zu zahlen habe. wir tricksten etwas und ich hatte das Objekt der Begierde ohne gegenseitige verluste- Geld und pruegel zurueck. Kurz darauf hielt er etwas kleines funkelndes hoch. Ich konnte es nicht glauben. Fassungslos nahm ich mein Geraet auseinander, tatsaechlich, er reckte meine sim-karte empor, mit allen Nummern darauf und vollkommen ohne Wert fuer ihn.
Diese kleine frustrierende Episode steht repraesentativ fuer das lebensgefuehl "zu Hause". Deswegen machen nun endlich einige ihren Umzugstraum seit anbeginn ihrer Ankunft hegend wahr und mieten sich an Orten der Unabhaengigkeit ein. Ich habe
leider noch nichts gefunden.
Donnerstag, 21. Januar 2010
Lang lang ists her, das Zwischenseminar
Das heutige Thema ist schon etwas veraltet, aber in meinen Aufzeichnungen fand ich diese erwaehnenswerte Episode, die ich euch natuerlich nicht vorenthalten moechte. Es passiert immernoch staendig so viel, dass ich meine handschriftlichen Notizen zur Hand nehmen muss, um den Überblick behalten zu können wenn ich euch berichte.
Kurz ein keiner Überblick über das, was wir als eine wirklich tolle Gruppe in Kibuye gemacht haben, bei unserem Seminar. Für alle die nicht gerade die Karte Rwandas parat haben, es liegt im Westen direkt am Kivusee, mittig situiert mit wunderschöner Vegetation und einer Aussicht als wäre man am Meer. Am Ufer auf der anderen Seite kann man bei guter Sicht den Kongo sehen. Vormittags ist das Wetter meist atemberaubend schön, bloß war es (auch wir haben Winter) leider etwas kalt, mit Jacken und dicken Socken erwehrten wir uns den knapp mehr als zwanzig grad. Schon doof.
Man stelle sich die Landschaft etwas wie Peter Pans Phantasialand vor, direkt aus klarem Wasser erheben majestätisch saftiggrüne Berge ihre Häupter empor, sodass man das unbedingte Bedürfnis hat sich in das kühle Nass zu stürzen und zur nächsten einsamen Insel zu schwimmen. Die luft war herrlich klar und die Sonne schien, was einen verleitet die Distanzen zu unterschätzen. Als wir nach zwei Kilometern zum nächsten einsamen Stück Land geschhwommen waren, hatten wir noch die Gewissheit zurückkzumüssen, zwischendurch mal ein Pause einzulegen geht nicht wirklich. Aber man wird einfach von allem um einen herum so überwältigt, dass man kaum bemerkt, wieviel Strecke man schon zurückgeleg hat, atemberaubende Wolkenformationen besehen sich in dem nassen Spiegel um einen herum, dabei schwimmt man mit einem einen begleitenden Sonnenuntergang an der Seite und dem farbenfrohesten Sonnenglühen, dass man sich vorstellen kann, ein sich gen Erde werfender orang-roter Ball mutete einem Kometen an, der in seiner imaginären Zerstörungskraft Demut gebot und einen verstummen liess. Zug um Zug zog man sich durch ein Farbpalette und tauchte unter in den Farben, tauchte ab, war in einer anderen Welt aus blau und grün tönen, warmen Wasser, die distanzierten, exotischen Vogelrufe verstummten und nur der einsame, rythmische Schlag des Herzens erinnerte einen an die Gegenwart, man fühlte sich wie in einen Traum versetzt, oder sogar in die erste Erinnerung, die nicht möglich ist, vor dem ersten Welterblicken.
Erschöpft klettert man an Land und fühlt sich wie neugeboren.
Abends machten wir uns kleine Pickniks in uneren Zimmern, klaubten auf den Märkten alles leckere zusammen was die Natur hergab und schwatzen bei Musik am Boden sitzend bis tief in die Nacht, assen bis der Hunger erst versiegte und blieben weiter sitzen, bis man doch wieder ass, sich auf die Seite drehte und wegnickte.
Toller Gruppenzusammenhalt, man lernt Leute schätzen, die einem nicht gerade nicht zugesagt hatten, aber mit denen mehr Zeit zu verbringen nicht im rahmen des aktiven Möglichkeits-bewusstsein waren, am Ende taucht man aus einer super Zeit auf und nennt Menschen seine Freunde.
Interkulturelle Tage mit einheimischen Studenten erweiterten spielerisch unseren Horizont, Gruppen von zehn Leuten je zur Hälfte Rwander und Deusche sollten ein imaginäres Kind großziehen und sich über die Werteinhalte einigen… man stelle sich die Lebhaften Diskussionen vor über Themen wie Haushalt, Heirat, Sexualität, Gehorsam, Religiösität, Tradition, das ganze natürlich noch mit der Schwierigkeit des Geschlechtes des Kindes Gewürzt.
Mein persönicher Höhpunkt war der Besuch einer Teeplantage mit Visite der Fabrik zur Erzeugung des Endproduktes. Ein Traum von mir. Man stelle sich den emotional überwältigten Matthias wie ein kleines Kind durch grüne Hügel rennend vor, wie er sich kreischend so auf Teebüsche schmeisst, wie ein irrer sich die Haare raufen würde, mit seinen Händen erbarmungslos Teepflücker imitierend die wehrlosen Pflanzen traktiert und den verständnislosen Blicken der Arbeitenden, die er ironsicherweise spontan um ihre Arbeit beneidet, mit überschwänglichem Lächeln begegnet. Nachdem er gebremst und mit tausend Fotos in jeder erdenklichen Pose mit jedweder möglichen Blattform vor dem Gesicht beruhigt wurde, auf dass dieses Häkchen auf seiner Lebens-to-do-list unvergessen bleibe, geht es zur nächsten Station, vor der sich die Gruppe mit ihm im schlepptau schon fürchtet, ihn aber auf seinen Wunsch hin verständnisvoll, wie man einem bockigen dreijährigen vielleicht nachgeben würde, solange er nur ruhiggestellt sein möge, Ma-tee-as nennen.
An dieser Stelle noch mal ein kräftiges Dankeschön für diese Nachsicht und Empathie.
Zurückzulegende Strecken mit dem Jeep wurden überbrückt mit einer anspruchsvoll-delikaten Auswahl deutscher musikalischer Glanzgeschichte. Biene Maja in der selten gehörten Grölversion, abgeschmeckt mit durch die Straßensituation ausgelösten Vibratios in der Stimme, garniert mit irren Blicken nach vorne, wenn die Vorderreifen knapp am Abgrund bzw unserem Vertrauen vorbeischrammen. Es gibt davon sogar videos, welche aber zum Zweck einer zu vermeidenden Rücküberweisung und Einweisung der Freiwilligen dezent vernichtet wurden. Wir bitten um Verständnis und Vorstellungsvermögen, sowie Diskretion. Danke
Das war das Zwischenseminar. Mit gemischten Gefühlen fuhren wir Heim, es war viel zu schön um zu enden, doch gab es auch neue Kraft mit dem weiterzumachen, was an anstrengenden Herausforderungen momentan auf einen wartet. Gearbeitet hatten wir natürlich auch, es galt den neuen Input sinnvoll im Alltag umzusetzen.
Kurz ein keiner Überblick über das, was wir als eine wirklich tolle Gruppe in Kibuye gemacht haben, bei unserem Seminar. Für alle die nicht gerade die Karte Rwandas parat haben, es liegt im Westen direkt am Kivusee, mittig situiert mit wunderschöner Vegetation und einer Aussicht als wäre man am Meer. Am Ufer auf der anderen Seite kann man bei guter Sicht den Kongo sehen. Vormittags ist das Wetter meist atemberaubend schön, bloß war es (auch wir haben Winter) leider etwas kalt, mit Jacken und dicken Socken erwehrten wir uns den knapp mehr als zwanzig grad. Schon doof.
Man stelle sich die Landschaft etwas wie Peter Pans Phantasialand vor, direkt aus klarem Wasser erheben majestätisch saftiggrüne Berge ihre Häupter empor, sodass man das unbedingte Bedürfnis hat sich in das kühle Nass zu stürzen und zur nächsten einsamen Insel zu schwimmen. Die luft war herrlich klar und die Sonne schien, was einen verleitet die Distanzen zu unterschätzen. Als wir nach zwei Kilometern zum nächsten einsamen Stück Land geschhwommen waren, hatten wir noch die Gewissheit zurückkzumüssen, zwischendurch mal ein Pause einzulegen geht nicht wirklich. Aber man wird einfach von allem um einen herum so überwältigt, dass man kaum bemerkt, wieviel Strecke man schon zurückgeleg hat, atemberaubende Wolkenformationen besehen sich in dem nassen Spiegel um einen herum, dabei schwimmt man mit einem einen begleitenden Sonnenuntergang an der Seite und dem farbenfrohesten Sonnenglühen, dass man sich vorstellen kann, ein sich gen Erde werfender orang-roter Ball mutete einem Kometen an, der in seiner imaginären Zerstörungskraft Demut gebot und einen verstummen liess. Zug um Zug zog man sich durch ein Farbpalette und tauchte unter in den Farben, tauchte ab, war in einer anderen Welt aus blau und grün tönen, warmen Wasser, die distanzierten, exotischen Vogelrufe verstummten und nur der einsame, rythmische Schlag des Herzens erinnerte einen an die Gegenwart, man fühlte sich wie in einen Traum versetzt, oder sogar in die erste Erinnerung, die nicht möglich ist, vor dem ersten Welterblicken.
Erschöpft klettert man an Land und fühlt sich wie neugeboren.
Abends machten wir uns kleine Pickniks in uneren Zimmern, klaubten auf den Märkten alles leckere zusammen was die Natur hergab und schwatzen bei Musik am Boden sitzend bis tief in die Nacht, assen bis der Hunger erst versiegte und blieben weiter sitzen, bis man doch wieder ass, sich auf die Seite drehte und wegnickte.
Toller Gruppenzusammenhalt, man lernt Leute schätzen, die einem nicht gerade nicht zugesagt hatten, aber mit denen mehr Zeit zu verbringen nicht im rahmen des aktiven Möglichkeits-bewusstsein waren, am Ende taucht man aus einer super Zeit auf und nennt Menschen seine Freunde.
Interkulturelle Tage mit einheimischen Studenten erweiterten spielerisch unseren Horizont, Gruppen von zehn Leuten je zur Hälfte Rwander und Deusche sollten ein imaginäres Kind großziehen und sich über die Werteinhalte einigen… man stelle sich die Lebhaften Diskussionen vor über Themen wie Haushalt, Heirat, Sexualität, Gehorsam, Religiösität, Tradition, das ganze natürlich noch mit der Schwierigkeit des Geschlechtes des Kindes Gewürzt.
Mein persönicher Höhpunkt war der Besuch einer Teeplantage mit Visite der Fabrik zur Erzeugung des Endproduktes. Ein Traum von mir. Man stelle sich den emotional überwältigten Matthias wie ein kleines Kind durch grüne Hügel rennend vor, wie er sich kreischend so auf Teebüsche schmeisst, wie ein irrer sich die Haare raufen würde, mit seinen Händen erbarmungslos Teepflücker imitierend die wehrlosen Pflanzen traktiert und den verständnislosen Blicken der Arbeitenden, die er ironsicherweise spontan um ihre Arbeit beneidet, mit überschwänglichem Lächeln begegnet. Nachdem er gebremst und mit tausend Fotos in jeder erdenklichen Pose mit jedweder möglichen Blattform vor dem Gesicht beruhigt wurde, auf dass dieses Häkchen auf seiner Lebens-to-do-list unvergessen bleibe, geht es zur nächsten Station, vor der sich die Gruppe mit ihm im schlepptau schon fürchtet, ihn aber auf seinen Wunsch hin verständnisvoll, wie man einem bockigen dreijährigen vielleicht nachgeben würde, solange er nur ruhiggestellt sein möge, Ma-tee-as nennen.
An dieser Stelle noch mal ein kräftiges Dankeschön für diese Nachsicht und Empathie.
Zurückzulegende Strecken mit dem Jeep wurden überbrückt mit einer anspruchsvoll-delikaten Auswahl deutscher musikalischer Glanzgeschichte. Biene Maja in der selten gehörten Grölversion, abgeschmeckt mit durch die Straßensituation ausgelösten Vibratios in der Stimme, garniert mit irren Blicken nach vorne, wenn die Vorderreifen knapp am Abgrund bzw unserem Vertrauen vorbeischrammen. Es gibt davon sogar videos, welche aber zum Zweck einer zu vermeidenden Rücküberweisung und Einweisung der Freiwilligen dezent vernichtet wurden. Wir bitten um Verständnis und Vorstellungsvermögen, sowie Diskretion. Danke
Das war das Zwischenseminar. Mit gemischten Gefühlen fuhren wir Heim, es war viel zu schön um zu enden, doch gab es auch neue Kraft mit dem weiterzumachen, was an anstrengenden Herausforderungen momentan auf einen wartet. Gearbeitet hatten wir natürlich auch, es galt den neuen Input sinnvoll im Alltag umzusetzen.
Donnerstag, 14. Januar 2010
Neujahr und Weihnachten
Hallo ihr Lieben
Es ist ja schon eine Weile her, dass ich schrieb, aber das haelt mich nicht auf euch ein frohes neues Jahr zu wuenschen. Und zwar mitte Januar. Egal. Alles erdenklich gute euch.
Die Stunde null habe ich westlicher verbracht als man meinen sollte, naemlich auf einer riesen Party in einem Hotel, mit dem kleinen aber feinen Unterschied, dass wir warmes Wetter hatten und im Hemd draussen tanzten. Tolles Ambiente, mit Freunden unter freiem Himmel in das Jahr 2010(!) feiern- traumhaft. In Kigali wird es auf Grund der Aequatornaehe um sechs uhr langsam hell, somit haben wir eine Fotoreihe schiessen koennen, bei der es alle zehn minuten heller wird, bis wir bei tagheller Umgebung buchstaeblich in den naechsten Tag zelebriert haben. Lichtmaschinen wirbelten trotzdem noch umher, der dj wurde unermuedlich angefeuert und die ganze Situation erschien etwas paradox aber umso reizvoller, weil die Meute unersaettlich nach Party gierte- gelungenes Neujahr also!
Weihnachten wird in Rwanda erst am 25. Dezember gefeiert, mit meinen fleissigen Kulturadapterfreunden wusste ich also, ich konnte unser Weihnachten fuer mich verbringen und dann am naechsten Tag puenktlich zur Feier einreiten. Der 24. also. Mir war erst etwas mulmig. Ich sass also vor meinem Zelt am lac Bunyonyi und hatte eine typische Kindheitssituation vor mir.
Bestandsaufnahme: Sonne, Zelt hinter mir, Badehose (an, nicht nur im Rucksack) gerade gebadet. Moment mal, das ist doch der Sommer? Nicht hier. Waehrend ich mich wundere, wie ich wohl allen Anschein nach mein Fest der Liebe alleine in einer typischen Mecklenburger Campingsituation verbringen werde, spricht mich jemand von hinten an. Es war das deutsch-schweizerische Paerchen, dass ich ganz am Anfang meiner Reise auf der Faehre nach Sesse Islands getroffen hatte. Somit nahm der Uralub bis zum Ende gerade nicht den Charackter an, der die urspruengliche Intention eines kleinen selbstfindunstrips hatte, sondern setzte konsequent mein Zusammensein mit netten Menschen fort.
Das war allerdings weniger tragisch, denn in diesem konkreten fall aeusserte sich dies in einer Weihnachtlichen Einladung zu Pilzsuppe, Suedafrikanischem Wein, Kuchen und, Halleluja, original schweizer Kaesefondue. Im Anschluss tranken wir leckeren Tee aus einem Bioprojekt in Fort Portal waehrend wir die von Laternen beschienene spiegelglatte Wasseroberflaeche bei Nacht betrachteten.
Auf der gegenueberliegenden Seite gesellte ich mich spaeter zu anderen ans Lagerfeuer, traf Italiener, mit denen ich mich unterhalten konnte und genoss den restlichen Abend ausgiebig. Waehrend ihr dann warscheinlich in eure Federbetten gekrochen seid mit Schnee vor dem Fenster, kuschelte ich mich in den Schlafsack im Zelt.
Meinen Freunden hatte ich verschwiegen, dass ich puenktlich zurueck sein werde. Bis zuletzt waren sie davon ausgegangen, dass ich es bevorzuge alleine Weihanchten in der Pampa zu verbringen und waren dementsprechend pampig mir gegenueber.
Mithilfe von Carina gelang es mir aber mich sozusagen nach Kigali ungesehen einzuschleusen und mich auf die Party zu bringen, um Jonas und Philou zu ueberraschen. Das war sozusagen mein weihnachtsgeschenk. Das klingt jetzt wieder so typisch- mattes schenkt sich selbst, tatsaechlich war es aber eine tolle Ueberraschung.
Das ganze musste aber natuerlich ncoh interessant aufgezogen werden. Also kaufte ich mir ein rwandisches traditionelles Kriegeroutfit zusammen, mit Lanze, Schild, langen Strohhaaren und Fussschellen, band mir einen langen Schaal als Rock um und tanzte dann wild wirbelnd in das Zimmer ein, nachdem Carina die einleitenden Worte gesagt hatte, dass sie noch einen kleinen kulturellen Beitrag vorbereitet haette. Mit meinem choreographisch abgesenktem Kopf dachten die Beiden sich erstmal nichts, als ich dann aber hochschaute und sie breit angrinste, waren sie sprachlos und drueckten ihre unbaendige Freude mit den unglaubigen worten aus : ist er das wirklich?
Bei Kerzenschein und im Hintergrund wirbelnden Schneewehen (danke an Beamer und youtube) wichtelten wir und speissten koeniglich unser selbstgemachtes Buffet. In eine Bettenburg gekuschelt sahen wir den schwarzweiss Film drei Maenner im Schnee und genosen die auf einmal viel weihnachtlichere Stimmung als alle gedacht hatten.
Es ist ja schon eine Weile her, dass ich schrieb, aber das haelt mich nicht auf euch ein frohes neues Jahr zu wuenschen. Und zwar mitte Januar. Egal. Alles erdenklich gute euch.
Die Stunde null habe ich westlicher verbracht als man meinen sollte, naemlich auf einer riesen Party in einem Hotel, mit dem kleinen aber feinen Unterschied, dass wir warmes Wetter hatten und im Hemd draussen tanzten. Tolles Ambiente, mit Freunden unter freiem Himmel in das Jahr 2010(!) feiern- traumhaft. In Kigali wird es auf Grund der Aequatornaehe um sechs uhr langsam hell, somit haben wir eine Fotoreihe schiessen koennen, bei der es alle zehn minuten heller wird, bis wir bei tagheller Umgebung buchstaeblich in den naechsten Tag zelebriert haben. Lichtmaschinen wirbelten trotzdem noch umher, der dj wurde unermuedlich angefeuert und die ganze Situation erschien etwas paradox aber umso reizvoller, weil die Meute unersaettlich nach Party gierte- gelungenes Neujahr also!
Weihnachten wird in Rwanda erst am 25. Dezember gefeiert, mit meinen fleissigen Kulturadapterfreunden wusste ich also, ich konnte unser Weihnachten fuer mich verbringen und dann am naechsten Tag puenktlich zur Feier einreiten. Der 24. also. Mir war erst etwas mulmig. Ich sass also vor meinem Zelt am lac Bunyonyi und hatte eine typische Kindheitssituation vor mir.
Bestandsaufnahme: Sonne, Zelt hinter mir, Badehose (an, nicht nur im Rucksack) gerade gebadet. Moment mal, das ist doch der Sommer? Nicht hier. Waehrend ich mich wundere, wie ich wohl allen Anschein nach mein Fest der Liebe alleine in einer typischen Mecklenburger Campingsituation verbringen werde, spricht mich jemand von hinten an. Es war das deutsch-schweizerische Paerchen, dass ich ganz am Anfang meiner Reise auf der Faehre nach Sesse Islands getroffen hatte. Somit nahm der Uralub bis zum Ende gerade nicht den Charackter an, der die urspruengliche Intention eines kleinen selbstfindunstrips hatte, sondern setzte konsequent mein Zusammensein mit netten Menschen fort.
Das war allerdings weniger tragisch, denn in diesem konkreten fall aeusserte sich dies in einer Weihnachtlichen Einladung zu Pilzsuppe, Suedafrikanischem Wein, Kuchen und, Halleluja, original schweizer Kaesefondue. Im Anschluss tranken wir leckeren Tee aus einem Bioprojekt in Fort Portal waehrend wir die von Laternen beschienene spiegelglatte Wasseroberflaeche bei Nacht betrachteten.
Auf der gegenueberliegenden Seite gesellte ich mich spaeter zu anderen ans Lagerfeuer, traf Italiener, mit denen ich mich unterhalten konnte und genoss den restlichen Abend ausgiebig. Waehrend ihr dann warscheinlich in eure Federbetten gekrochen seid mit Schnee vor dem Fenster, kuschelte ich mich in den Schlafsack im Zelt.
Meinen Freunden hatte ich verschwiegen, dass ich puenktlich zurueck sein werde. Bis zuletzt waren sie davon ausgegangen, dass ich es bevorzuge alleine Weihanchten in der Pampa zu verbringen und waren dementsprechend pampig mir gegenueber.
Mithilfe von Carina gelang es mir aber mich sozusagen nach Kigali ungesehen einzuschleusen und mich auf die Party zu bringen, um Jonas und Philou zu ueberraschen. Das war sozusagen mein weihnachtsgeschenk. Das klingt jetzt wieder so typisch- mattes schenkt sich selbst, tatsaechlich war es aber eine tolle Ueberraschung.
Das ganze musste aber natuerlich ncoh interessant aufgezogen werden. Also kaufte ich mir ein rwandisches traditionelles Kriegeroutfit zusammen, mit Lanze, Schild, langen Strohhaaren und Fussschellen, band mir einen langen Schaal als Rock um und tanzte dann wild wirbelnd in das Zimmer ein, nachdem Carina die einleitenden Worte gesagt hatte, dass sie noch einen kleinen kulturellen Beitrag vorbereitet haette. Mit meinem choreographisch abgesenktem Kopf dachten die Beiden sich erstmal nichts, als ich dann aber hochschaute und sie breit angrinste, waren sie sprachlos und drueckten ihre unbaendige Freude mit den unglaubigen worten aus : ist er das wirklich?
Bei Kerzenschein und im Hintergrund wirbelnden Schneewehen (danke an Beamer und youtube) wichtelten wir und speissten koeniglich unser selbstgemachtes Buffet. In eine Bettenburg gekuschelt sahen wir den schwarzweiss Film drei Maenner im Schnee und genosen die auf einmal viel weihnachtlichere Stimmung als alle gedacht hatten.
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